Zum Artikel "Eine Mahnung zum Frieden" (BR vom 24. November) erhielten wir folgenden Zuschrift: Am Donnerstag las ich den interessanten Artikel zum Jahrestag der Zerstörung der Stadt Kulmbach vor 467 Jahren, der von den Freunden der Plassenburg jedes Jahr gefeiert wird. Herr Weith hofft, dass auch die digitale Erinnerung etwas Trost und Mahnung in unseren schlimmen Zeiten vermitteln kann.

Was die Menschen bei den Belagerungskämpfen vor fast 500 Jahren erleiden mussten, war natürlich viel grausamer als das, was wir jetzt durchstehen. Aber wie zu Kriegszeiten ist es auch heute sehr schwer, positiv zu denken, zumindest solange noch kein Ende der Krise abzusehen ist, die wie eine graue Wolke über uns liegt. Wie es nach dem Ende der Pandemie weitergeht, können wir nicht voraussehen, aber die extremen Erfahrungen, die wir jetzt machen, werden vielleicht dazu führen, das Verhältnis von Natur und Gesellschaft neu zu überdenken.

Der Mensch sieht sich ja seit der Aufklärung zunehmend als außerhalb beziehungsweise über der Natur stehend, als sei er ihr Herr und Meister. Im Mittelalter wurde diese Anmaßung als gotteslästerlich verdammt, Natur und menschliche Gesellschaft waren ja gleichermaßen von Gott geschaffen und letztlich nur ihm unterworfen - wobei nicht zu vergessen ist, dass neben den Monarchen auch die allmächtige Kirche im Namen Gottes immer wieder dazu beigetragen hat, das harmonische Verhältnis von Natur und Mensch empfindlich zu stören.

Franz Kafka schrieb Anfang des 20. Jahrhunderts, dass der Mensch nicht leben kann "ohne ein dauerndes Vertrauen zu etwas Unzerstörbarem in sich". Das Gleiche gilt wohl auch für die Gesellschaft. Angesichts der fortschreitenden Zerstörung der Umwelt ist der Glaube an die Überlegenheit der menschlichen Gesellschaft über die Natur aber nicht mehr aufrechtzuerhalten.

Kriege und Pandemien sind wie die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung den Gesetzen der natürlichen Evolution unterworfen. Wir Menschen müssen endlich einsehen, dass wir ein Teil der Natur sind, auch wenn wir meinen, dass wir sie dank immer besserer Technik kontrollieren und beherrschen können. Anstatt sie mit Füßen zu treten, sollten wir uns so gut wie möglich an ihre Ordnung anpassen, wie es die australischen und andere Ureinwohner Zehntausende von Jahren praktiziert haben.

Das Gedenken an die Zerstörung Kulmbachs vor 467 Jahren ist nur ein kleiner Trost für die schwere Krise. Aber die Erinnerung an die Zeiten nach den Kriegen gibt einem Hoffnung, dass es uns auch nach dieser Krise wieder besser gehen wird.

J an Bruck

Huskisson, Australien

früher Kulmbach