Viele Menschen aus Stadt und Landkreis kennen wir, weil sie wichtige Ämter und Positionen bekleiden. Aber: Wie hat das Leben sie eigentlich auf diese Positionen geführt? Im CT erzählen sie, was sie in ihrem früheren Leben gelernt oder gearbeitet haben und was davon sie bis heute begleitet.

Dienstältester Oberbürgermeister Bayerns. Seit 1995 im Amt. Neustadter, die 26 Jahre oder jünger sind, kennen es nicht anders: Der Oberbürgermeister von Neustadt ist Frank Rebhan. Ursprünglich gelernt hat Rebhan aber etwas Anderes: Er hat Psychologie studiert. "Mehr als 30 Jahre ist das her", sagt Rebhan auf die Frage, wie er sich daran erinnert. Warum er das Fach gewählt hat, das weiß er aber noch genau.

"Es ging ursprünglich auf meinen Bruder zurück. Der war in dem Beruf schon zuvor sehr erfolgreich. Mich hat an dem Studium gereizt: der Mensch. Und wie er tickt." Und er hat viele Bereiche der Psychologie kennengelernt: "Bis hin zur Neurologie". Ein Aspekt, der ihn damals fasziniert hat, waren Ängste der Menschen, mit denen in der Psychologie gearbeitet wird. "Den Ursprung der Angst suchen und sie auflösen. Das ist eine der spannenden Aufgaben. In dem Wissen, dass die Angst, die ein Mensch hat, nicht real ist, sondern aus seiner Vorstellung stammt."

Ist es also ein Erfolgserlebnis, wenn man so einer Angst auf den Grund gehen kann, vielleicht sogar etwas dagegen tun? "Natürlich. Das ist wie bei einem Arzt, für den es auch ein Erfolg ist, wenn er jemanden geheilt hat."

Der Moment der Kursänderung

Doch dann änderte sich Rebhans Lebensplanung abrupt. Vor Abschluss des Studiums bekam er das Angebot, Pressesprecher der Stadt Coburg und persönlicher Referent des Oberbürgermeisters zu werden. "Ich habe eine Woche darüber nachgedacht. Und dann habe ich zugesagt." Warum? "Ich war unglaublich neugierig darauf. Das gilt sicher für beide Berufe."

Als er dann gefragt wurde, ob er für den Posten des OB in Neustadt kandidieren wollte - "da habe ich erst mal abgelehnt! Ich hatte Bedingungen, die nicht erfüllt werden sollten, zunächst. Ich wollte, dass alte Streitigkeiten in der Stadtpolitik ausgeräumt werden."

Am Ende fand sich doch alles irgendwie - und Frank Rebahn überlegte wieder. "Dieses Mal brauchte ich eine halbe Stunde."

Und auch heute gibt es noch einiges, das er aus der Psychologie mitgenommen hat in seinen heutigen Beruf. "Dass man im Studium gelernt hat, wissenschaftlich zu denken, das kann durchaus ein großer Vorteil sein."

Und dass man einschätzen könne, wie etwas, das man sagt, beim Gegenüber ankommt. Oder bei vielen Gegenübern, wie bei einer größeren Versammlung. "Es ist eine Illusion, dass alles, was man sagt, von allen in einer Gruppe auch so verstanden und wahrgenommen wird. Es ist gut, wenn man ein Gespür dafür entwickeln kann, wie Worte bei den Menschen ankommen, und ich versuche, bei Gesprächspartnern mehr wahrzunehmen als nur die Worte allein." red