"Ich hab's doch schön", meint er und schaut zufrieden in die Welt. Hinter ihm hängen die Fotos seiner Käthe, die von sieben Enkeln und 13 Urenkeln. Der Blick fällt aus dem Fenster, wo gegenüber auf dem Teich ein Schwanenpaar mit seinen Jungen majestätisch über das Wasser zieht. Ernst Friedrich vollendet am morgigen Sonntag sein 90. Lebensjahr.
Man sieht's ihm eigentlich nicht an. Doch er selbst merke schon, dass es hier und dort immer öfter mal zwickt und sticht und er manches vergesse, stellt er mit einem verschmitzten Lächeln fest. Dem als "Mahrner Schursch" bekannten Original fallen daher auch nicht mehr alle Gedichte des Coburger Mundartdichters Georg Eckerlein ein. Noch vor Jahren hätte bei einer Veranstaltung in Ahorn etwas gefehlt, wenn der Ernst nicht in seiner hemdsärmeligen Art unvergessene Gedichtla wie "Die italienische Nacht" oder "Im Gäßstall" zum Besten gegeben hätte.
Ernst Friedrich wurde am 26. Juni 1926 als Sohn von Max und Erna Friedrich geboren. Sein Bruder Fritz sei leider 1944 gefallen sei, erinnert sich Friedrich. Er wuchs in Ahorn auf, besuchte hier die Schule, erlernte das Mühlbauer-Handwerk, das er 1943 in Kulmbach mit der Prüfung abschloss. Schon am nächsten Tag habe er zum Arbeitsdienst in die Rhön gemusst. 1944 meldete er sich freiwillig zur Marine und wurde nach Kroningen eingezogen.
Noch bevor es aufs Schiff ging, geriet er in einen Granatenbeschuss. Ein Splitter sei nur um Zentimeter an seinem Kopf vorbeigezischt. Diesen habe er aus der Wand gekratzt und aufgehoben - "quasi als Glücksbringer", erzählt er und grinst.
Der Splitter liegt noch heute bei den Erinnerungsstücken im Schrank. Er heuerte auf einem Tanker mit 150 Mann Besatzung an, der zur U-Boot-Versorgung von Fjord zu Fjord in Nordnorwegen eingesetzt wurde. Auf dem Trossschiff "Kärnten" fungierte er als Gehilfe des Kommandanten. Noch heute weiß Ernst Friedrich zahlreiche Anekdoten vom "Alten" zu erzählen, der regelmäßig seinen Schiffs-Rundgang mit dem Geißbock "Ackermann" absolvierte.
Am 8. Mai 1946 wurde er entlassen und fuhr in offenen Güterwägen bis Creidlitz, wo er am 11. Mai eintraf. Bei der Firma Stegner, bei der er gelernt hatte, kam er wieder unter und blieb dem Unternehmen 37 Jahre treu. Am 10. September 1949 heiratete er Käthe, die er bereits aus den Kindergartentagen kannte. "Acht Tage lang haben wir die Hochzeit gefeiert", erzählt er. Aus der Ehe gingen eine Tochter und ein Sohn hervor. Es folgten bis heute sieben Enkel und 13 Urenkel. Käthe starb am 6. September 2006.


Ein sehr aktiver Mensch

Der Jubilar war immer sehr aktiv und bei verschiedenen Vereinen tätig. So ist er seit 1940 Mitglied der Spvg Ahorn. Er sei der einzige Überlebende aus der Bayernliga-Handball-Mannschaft von 1952, erinnert sich Friedrich stolz. Außerdem war er der erste Wirt des 1964 neu erbauten Sportheims. Seit 60 Jahren ist er Mitglied der Ahorner Feuerwehr und bereits seit 1949 bei der "Liedertafel" und dem Obst- und Gartenbauverein. Viele Ahorner werden sich gerne an die Sechs-Tage-Fahrten erinnern, die er über 23 Jahre lang mit den Hobbygärtnern in ganz Deutschland arrangierte.
Er habe alles, meint er heute zufrieden zurückschauend. Für seine restlichen Jahre wünscht er sich nur noch, dass er einigermaßen gesund bleibe. Über den Ablauf an seinem Geburtstag wisse er noch gar nichts, meint er mit einem spitzbübischen Blick. "Meine Familie macht aus der Feier ein großes Geheimnis. Also lass' ich mich überraschen!" ka