von unserem Mitarbeiter Mario Deller

Bad Staffelstein — Soeben noch verträumtes Prinzesschen, im nächsten Moment eines ausbrechenden Vulkans gleich wutentbrannt das andere Geschlecht verbal zerpflückend - herrlich facettenreich zog Kirsten Annika Lange bei der Brückentheater-Aufführung "Verliebt, verlobt, verschwunden" über die Männerwelt her.
"Schaut, was er geschrieben hat", mit diesen Worten tritt, im schneeweißen Hochzeitskleid gewandet, die Schauspielerin auf die Bühne: "Ich kann nicht." Fertig gestylt für den Gang zum Standesamt, findet Steffi, so der Rollenname, im Badezimmer einen Zettel von ihrem Johnny. Einfach so sitzengelassen, kurz vor der Hochzeit. Darf doch nicht wahr sein. Aber das war ja klar. Männer halt. Und an denen ließ Steffi alias Kirsten Annika Lange in den folgenden zwei Stunden kein gutes Haar.

Im Baumhaus der Kindheit

Wütend in das Baumhaus ihrer Kinderzeit geflüchtet, las sie den Herren der Schöpfung zur Freude des Publikums so richtig die Leviten. Sie spottete über Männer, die sich bei Heiratsanträgen so blöd anstellen, dass frau sie als solche gar nicht erkennt und über - noch schlimmer - Muttersöhnchen. Gatten, kalauert sie, seien, wie der Name schon sagen, ja nur zum Begatten da. Zum Liebhaben gebe es schließlich, richtig, die Liebhaber. "Ha, und zu so etwas soll eine Frau aufblicken?", macht sie sich über die Wehleidigkeit der Männer lustig, die mitunter nach dem Stich einer Biene drei Monate keinen Honig mehr essen oder zerfließt dann wieder in Selbstmitleid: "Tritt die Welt aus ihren Fugen, weil die Träume sich zerschlugen".
Bei der in Köln wohnhaften Schauspielerin wirkt alles spontan - und das ist das A und O für gute Unterhaltung, die den Zuschauern an diesem Donnerstagabend im Brückentheater-Häuschen geboten wurde.
Mit einem Besen tanzend, himmelte sie ihren Traummann "Georgy-Boy" Clooney an: "Ich will dir nicht von weitem winken, will nicht nur einen Cappuccino mit dir trinken. Wie lange soll ich um dich werben? Willst du denn in Schönheit sterben? Sag ade zum Comer See!"
Doch die traurige, wütende, verzweifelte "Steffi" empfindet in dem Stück trotz des spontanen Männerhasses und der unverschämten drei Worte immer noch viel für ihren Johnny. Und auch diese sanfte Seite der Figur verkörperte Kirsten Annika Lange hervorragend, indem sie immer wieder geschickt den Fuß vom schauspielerischen Gaspedal nahm. "Johnny hat lange Haare, ist schusselig, ein Künstler halt", erzählte sie mit dem Stoff-Teddy im Arm vom Beinahe-Bräutigam - und ergänzte, mehr hauchend: "aber ein lieber".

Kugelschreiber streikte

Und so endete das Stück, alles andere hätte dessen fröhlichen Grundtenor gemäß dem Motto "Was sich liebt, das neckt sich" ja ansonsten wieder zunichte gemacht, natürlich mit einem "Happy End". Unten im Garten vor dem Baumhaus steht Johnny und Steffi liest die per Körbchen-Post hinaufbeförderte zweite Botschaft. Und diese spiegelt die uns allen bekannte Erkenntnis wider, dass fast alle Probleme zwischen Mann und Frau auf fehlender Kommunikation beruhen: Der Kugelschreiber von Johnny hatte bei der ersten Nachricht seinen Geist aufgegeben. Es fehlten vier Worte: "...mehr ohne dich leben". "Ach der Johnny ist doch der Beste", freute sich "Steffi".
Begeisterter Applaus.