Die alteingesessenen Kauerndorfer wissen, dass das Haus Kauerndorf 15 bis 1974 ein Wirtshaus war. Aber so, wie es nur noch wenige ältere Bewohner des Dorfes gibt, die das Anwesen Gasse 2 als Wirtshaus "Zum Hahnwirt" kannten, gerät auch dies allmählich in Vergessenheit.
Dabei hatte die Gaststätte einst eine zentrale Rolle für das Leben der Dorfgemeinschaft gespielt. Dort hielt zum Beispiel der Gesangverein jede Woche seine Singstunden ab, und es wurde auch alljährlich zum Kerwa-Tanz eingeladen. Auf der kleinen Bühne wurden sogar oft Theaterstücke aufgeführt, die zu den kulturellen Höhepunkten des Dorfes gehörten.


An der Handelsroute

Gegründet um 1820 von Georg Vießmann war das Haus nach der Heirat seiner Tochter Katharina ab 1860 nun schon vier Generationen im Besitz der Familie Böhm. Die Wirte waren zugleich Landwirte und Hausmetzger des Dorfes. Seinen wirtschaftlichen Erfolg verdankte das Gasthaus zu einem großen Teil auch seiner Lage an der wichtigen Handelsstraße Kulmbach-Hof, der heutigen B 289, wodurch es auch vielen Fuhrleuten als Raststätte diente, die sogar ihre Pferde in den dort bereitstehenden Stallungen unterbringen konnten.


Zu wenig Parkplätze

Diese Lage an einer stark frequentierten Straße erwies sich jedoch durch den zunehmenden Autoverkehr in der Mitte des 20. Jahrhunderts eher als Nachteil. Für Autos und schon gar nicht für Lastwagen gab es zu wenig Parkplätze, der Verkehrsstrom machte den Zugang immer gefährlicher und das damals schon einsetzende Wirtshaussterben stellte den letzten Wirt Horst Böhm vor die Frage, ob es sich auf die Dauer lohnen würde, als er 1970 die Wirtschaft von seinem Vater Karl übernommen hatte.
Getreu der Familientradition hatte auch er das Metzgerhandwerk gelernt und hatte als Meister bei der Bundesanstalt für Fleischforschung, dem heutigen Max-Rubner-Institut (MRI) eine gute Stellung mit guten Arbeitsbedingungen. Seine Frau Anita war ebenfalls berufstätig. Beide waren sich einig, dass es sich nicht lohnen würde, ihre Arbeitsplätze der Gaststätte zuliebe aufzugeben, andererseits konnten sie die Gastwirtschaft auch nicht nebenberuflich weiterführen. Schweren Herzens entschlossen sie sich daher, zum 24. März 1974 das Wirtshaus zu schließen.


Nie bereut

Jetzt ist Horst Böhm 75 Jahre alt geworden und bereut diesen Schritt nicht. Trotzdem denkt er noch oft mit etwas Wehmut an die gastronomische Vergangenheit seines väterlichen Anwesens zurück. Detlef Kühl