Johannes Schlereth

Zarte Bleistiftstriche und Schraffuren machen das Werk von Gaston Delfau de Pontalba aus. In seinen Zeichnungen nimmt der 1821 geborene Künstler den Betrachter mit auf eine Reise in die Vergangenheit Bad Kissingens.

Untergebracht war Gaston während einer der Reisen mit seiner Mutter im Jahr 1862 im ehemaligen Kurhaus, das dem Kurhaushotel (späteres Steigenberger) weichen musste. "Notre maison" - "unser Haus" steht am Bildrand. Heute befindet sich dort die Brache, auf der das Kurpark-Ressort entstehen soll.

Während Micaela kurte, stromerte Gaston durch Kissingen und die umliegende Flur. Ihn zog es zu fast allen Plätzen, die mittlerweile für die Unesco-Weltkulturerbe-Bewerbung von Bedeutung sind.

Surreal wirkt sein Blick von der Ruine Botenlauben ins Tal oder seine Aussicht von der Ludwigsbrücke in die Au. Zahlreiche Gebäude, die heute das Stadtbild prägen, waren damals noch nicht gebaut.

Aus den Dokumenten, die der Redaktion vorliegen, geht hervor, dass Gaston mindestens viermal in den 1860er Jahren in der Region weilte. Dabei zog es ihn bis nach Burkardroth, Aura oder Trimberg. Das Gros der Zeichnungen zeigt jedoch das alte Bad Kissingen. Damals war die Kurstadt an der Saale Hotspot für kränkelnde Kurgäste wie Sisi, den österreichischen Kaiser Franz Joseph I. oder aber den russischen Zaren Alexander II. Auf Gastons Zeichnungen findet sich der europäische Hochadel zwar nicht, aber die Wahrscheinlichkeit, dass er beispielsweise Sisi oder deren Entourage in den Blick bekommen hat, steht so schlecht nicht: Zeitlich decken sich die Aufenthalte der beiden.

Seinen älteren Bruder zog es sogar gänzlich nach Bad Kissingen. Er heiratete in die Familie des Badkommissars Joseph von Parseval ein. "Gaston selbst hat nie geheiratet. Es ist auch nicht bekannt, dass er Kinder gehabt hat", sagt Pierre.

Nach seinem Tod 1875 sei Gaston in Vergessenheit geraten. "Aber die Familie hat seine Zeichnungen archiviert. Die Alben haben wir in den vergangenen Jahren entdeckt." Die Möglichkeit, die Zeichnungen seines Ur-Ahns mit der Gegenwart vor Ort abzugleichen, hatte Pierre bislang nicht. Noch nicht - er denkt über einen Besuch der Kurstadt nach.