Hennef — Die Luft ist feucht und etwas stickig, es riecht nach Schweiß. Etwa 15 Ringerpaare kämpfen auf den Matten in der Sportschule Hennef angefeuert von den Trainern, die die Kämpfe der deutschen Auswahlringer beobachten. Doch es sind nicht nur deutsche Athleten, die nach Hennef gekommen waren, auch Österreicher, Griechen und Dänen sind darunter, die die guten Möglichkeiten nutzen, um für die bevorstehenden Weltmeisterschaften in Las Vegas vom 7. bis 13. September Schwung zu holen.


Bundestrainer warnt

"In Las Vegas erwarten uns harte Kämpfe. In nahezu jeder Gewichtsklasse gibt es bis zu zehn Ringer, die zur absoluten Spitzenklasse gehören und von denen jeder Weltmeister werden könnte", warnt Bundestrainer Michael Carl vor zu viel Euphorie und zu hohen Erwartungen. In Las Vegas geht es nicht nur um Titel und Medaillen, sondern auch um die ersten Olympiatickets. Die Halbfinalteilnehmer qualifizieren sich in den sechs olympischen Gewichtsklassen für Rio 2016. Und da will schließlich jeder hin.
Auch Ramsin Azizsir vom ASV Hof, der vergangenen Freitag das direkte Ausringen um die WM-Fahrkarte gegen Denis Kudla (VfK Schifferstadt) mit 1:0 und 4:1 gewann und damit in Las Vegas (USA) auch um ein Olympiaticket kämpfen wird.
Wir sprachen im Trainingscamp mit Ramsin Azizsir.
Laut Bundestrainer war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das WM-Ticket über ein ganzes Jahr hinweg ?
Ramsin Azizsir: Ja, alles war sehr knapp, mal hatte Denis die Nase vorn, mal ich - am Ende das Ausringen im Trainingscamp als gerechte und sportliche Entscheidung.

Mit Ramsin Azizsir als Sieger im "Best of Three".
Ich weiß, dass er sehr stark ist. Bei den deutschen Meisterschaften hatte ich ja noch verloren, doch ich habe mich diesmal auf meine Stärken verlassen und durch einen Wurf im zweiten Kampf mit 4:1 gewonnen, nachdem ich ihn vorher schon mit 1:0 bezwungen hatte. Damit bin ich in Las Vegas dabei.

Bestehen trotz der sportlichen Rivalität Freundschaften zwischen den Ringern?
Ja auf jeden Fall, wir treten schon als Team auf, nur wenn wir gegeneinander kämpfen, dann will eben auch jeder gewinnen.

Das DRB-Team war zuletzt sehr viel unterwegs, Wettkämpfe wechselten mit Trainingslehrgängen - leidet da auch etwas die Familie?
Meine Eltern, aber auch meine Freundin Sophia drücken von zu Hause aus die Daumen. Und nach Wettkämpfen oder Trainingslagern freue ich mich natürlich immer wieder auf Familie und Freunde zu Hause. Nach der WM geht es ja auch gleich wieder mit Wettkämpfen weiter.
Mit Bundestrainer Michael Carl haben alle Ringer ein gutes Verhältnis. Was macht eigentlich einen guten Trainer aus Sicht der Ringer aus?
Horst Zeh hat mir in Hof das Ringer-Abc beigebracht, was ich auf der Matte kann, habe ich von ihm. Im Männerbereich muss man als Trainer nicht mehr der Lehrmeister in Sachen Technik sein, hier steht vor allem eine genaue Vorbereitung auf kommende Gegner, Videoanalysen und natürlich auch die entsprechende Motivation im Vordergrund. Der Trainer muss dazu eben die richtigen Worte finden, und mit Horst Zeh und Michael Carl habe ich zwei sehr gute.
Beruflich bist du in der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Bruchsal.
Ja, dort habe ich gute Möglichkeiten zum Training. Das geht noch bis 2016, nach Olympia sehe ich dann weiter.

Der Blick geht nun verstärkt zur WM. Mit welchen Erwartungen fahren Sie nach las Vegas?
Ich will die Olympiaquali holen, das Ziel heißt Halbfinale. Wenn ich meine beste Form abrufe und auch bei der Auslosung ein glückliches Händchen habe, ist das durchaus drin. Das Feld wird mit etwa 50 Teilnehmern mit Sicherheit sehr knackig.

Mit dem Europameistertitel von 2009, dem Vize-Europameistertitel 2011 bei den Junioren, den Militärweltmeistertitel sowie dem fünften WM-Platz im vergangenen Jahr in Taschkent haben Sie fleißig Erfolge gesammelt, nun holen Sie zum großen Wurf aus. Hätten Sie das alles zum Start Ihrer leistungssportlichen Laufbahn erwartet?
Gehofft ja, aber erwartet nicht, am Ende ist das alles ein Ergebnis harten Trainings über viele Jahre hinweg. Und darauf kann man dann schon ein wenig stolz sein. Ich würde mir wünschen, dass Ringen auch etwas mehr in den Fokus der großen Medien rutscht, was der Sportart als solches auch weiterhelfen würde und unsere Erfolge dann auch etwas bekannter macht.

Das Gespräch führte unser
Mitarbeiter Jörg Richter