Nachdem das Queren des Hirtenstegs mit dem Auto schon längere Zeit untersagt war, musste er Ende Januar 2019 auch noch für Fußgänger und Radfahrer gesperrt werden. Grund für die komplette Sperrung war der desolate Zustand des Stahlbauwerks. Der Eindruck von oben war dabei gar nicht so dramatisch, der Blick unter die Brücke offenbarte jedoch das ganze Ausmaß der Baufälligkeit. Vollkommen durchgerostete und zerfallende Querstreben unter der Asphaltdecke lagen auf stark verwitterten Eisenträgern. Mit einem Einsturz durch weitere Belastung musste jederzeit gerechnet werden.

Da die Querung an dieser Stelle vor allem für die Anwohner seit jeher eine wichtige Verbindung zum Ortskern auf der anderen Seite der Rodach darstellte, musste eine Lösung her. Im Februar 2019 wurden dem Gemeinderat deshalb potenzielle Fördermöglichkeiten vorgestellt. Schnell kristallisierte sich heraus, dass nur der Abriss und Ersatzneubau einer Fuß- und Radwegbrücke durch das Bayerische Städtebauförderprogramm zuschussfähig wäre. Für die anderen Alternativen, wie eine Autobrücke, gab es keine Förderungen und es war mit hohen Kosten für den Markt zu rechnen.

Dennoch waren einige Gemeinderatsmitglieder noch nicht überzeugt und beschlossen eine erneute Prüfung der Kosten eines befahrbaren Stegs. Dieser Beschluss wurde im Juni letzten Jahres im Zuge einer Unterschriftensammlung wieder gekippt. 152 Unterrodacher sprachen sich darin ausdrücklich für den Neubau als reine Fuß- und Radwegbrücke aus. So wurde diese Umsetzungsform schließlich beschlossen, aber die Diskussionen im Gemeinderat über die genaue Ausführung der Brücke rissen nicht ab. Die einen wollten eine Holzbrücke, die anderen wieder eine Stahlbauweise und wieder andere plädierten für eine Überdachung. Das beauftragte Planungsbüro HTS Plan aus Kronach arbeitete deshalb verschiedene Entwürfe aus und verglich die voraussichtlichen Kosten. Die Ergebnisse der Vorplanungen wurden dem Gemeinderat Anfang dieses Jahres vorgelegt und auch hier kam es wieder zu Meinungsverschiedenheiten, wie der neue Hirtensteg denn nun aussehen sollte. Planer Thomas Kleylein ging noch einmal auf die Vor- und Nachteile der einzelnen Möglichkeiten ein und schlussendlich konnten sich die 16 Gemeinderäte doch einstimmig auf die Umsetzung als Stahlkonstruktion mit Rahmenträger und ohne Dach einigen.

Die Ausschreibungen für Bauausführung und Stahlbauarbeiten konnten die Firma Dechant Hoch- und Tiefbau aus Weismain und die Firma Stark Stahlbau aus Coburg für sich entscheiden. Ende Juni wurde dann mit dem Abriss begonnen und im Juli wurde der alte Steg mit Hilfe eines Krans von seinem gewohnten Platz gehoben. Es folgten die Zerlegung und Entsorgung der alten Brücke sowie die Bohrungs- und Gründungsarbeiten für den neuen Steg. Beim Fundament kam es zwar zu einer Verzögerung, die Abnahme der Stahlarbeiten konnte aber dennoch am 30. November, dem geplanten Fertigstellungstermin, durchgeführt werden.

Nach dem Anschluss der Straßendecke an die neue Brücke folgte zwei Wochen später die Endabnahme durch Planer Thomas Kleylein und Bauleiter Christoph Kolb von der Fa. Dechant. Erster Bürgermeister Norbert Gräbner erklärte die Brücke anschließend für offiziell eröffnet und gab sie zum Überqueren frei. Er freue sich vor allem für die Anwohner, dass dieses Projekt nach langen Diskussionen endlich abgeschlossen werden konnte und hoffe, dass die umgesetzte Lösung nun auch bei den anfänglichen Skeptikern Anklang findet. "Es ist doch eine schöne Brücke geworden und die Verkehrsberuhigung in den angrenzenden Straßen ist ein Segen für die Kinder, die dort wohnen und weiterhin sicher draußen spielen können", so Gräbner weiter.

Die Kosten für die rund 18 Meter lange und 2,5 Meter breite Brücke liegen samt Bauarbeiten inklusive Abbrucharbeiten und Planung bei 288 000 Euro, wovon circa 60 Prozent durch den Zuschuss der Bayerischen Städtebauförderung der Regierung von Oberfranken abgedeckt werden konnten. red