Am ersten Sonntag im September wurde in Rattelsdorf das Schutzengelfest gefeiert. Wenn auch in diesem Jahr coronabedingt etwas anders, ohne Kirchenparade, ohne Vereinsabordnungen und auch ohne Sakramentsprozession.

Das Schutzengelfest ist traditionsgemäß das Stiftungsfest des Sankt Michaelsvereins, das im Mittelpunkt christlicher und dörflicher Gemeinschaft steht. Der Sankt Michaelsverein hatte 2018 sein 125-jähriges Bestehen in einem großen Rahmen gefeiert. Als 1919 die erste Nachkriegsversammlung stattfand, wurde auf Vorschlag des Zweiten Vorsitzenden Ludwig Brunner zum ersten Mal das Schutzengelfest begangen, zu dem der Verein die örtlichen Vereine eingeladen hatte und bei der Sakramentsprozession die Schutzengelstatue von jungen Mitgliedern getragen wurde.

Das blieb so, bis in diesem Jahr mit der Corona-Epidemie zum ersten Mal diese große Zusammenkunft nicht stattfinden konnte. Deshalb wurde "nur" eine Festmessfeier von Pfarrer Reinhold Braun mit allen auferlegten Regeln in der Pfarrkirche Sankt Peter und Paul gehalten. Hierzu hatte der Vorstand die Schutzengelstatue im Chor der Pfarrkirche prächtig geschmückt aufgestellt. Selbst die Vereinsfahne wurde mitgebracht und am Hauptaltar platziert.

In üblicher Weise kam der gesamte Vorstand mit den Trägern für den Baldachin und der Schutzengelstatue. Auch Bürgermeister Bruno Kellner - selbst Mitglied des Vereins - ließ es sich nicht nehmen, an der Festmessfeier teilzunehmen. Die ausgewiesenen Plätze waren alle belegt.

Zum 125-jährigen Vereinsjubiläum hatte der Vorstand auf eigene Kosten die Schutzengelstatue mit dem Tragekorb renovieren lassen, wobei auch das Ordinariat Bamberg einen Zuschuss gewährte. Die barocke Schutzengelfigur des hl. Raffael mit dem kleinen Tobias an der Hand wurde um 1730/40 aus Holz geschnitzt. Über den Künstler ist bisher nichts bekannt. Die Holzfigur ist farbig gefasst und vergoldet. Sie steht übers Jahr auf dem Beichtstuhl an der Nordseite der Kirche. Der Schutzengel ist schreitend wiedergegeben, wobei sein linker Fuß vorgesetzt ist. Mit der linken Hand führt er den kleinen Tobias, der neben ihm läuft, und mit der rechten deutet er nach oben. Das Kind wendet sich nach seiner linken Seite um. Es legt dabei die linke Hand auf seine Brust. Der Engel trägt ein geschlitztes, einärmeliges Kleid mit rechtem Halbärmel. Auf seinem Kopf sitzt ein goldener Reif. Das Kind hat ein knielanges Kleidchen mit hochgeschlagenen Ärmeln an. Die detailliert ausgearbeiteten Flügel des Engels sind ausgebreitet. Angeschafft hatte diese Schutzengelfigur der kunstsinnige Pfarrer Christoph Jäger, der von 1739 bis 1784 in Rattelsdorf war.

Jesus und Corona

Den Festgottesdienst in der Pfarrkirche Sankt Peter und Paul für die verstorbenen und gefallenen Mitglieder des katholischen Männervereins zelebrierte Präses Pfarrer Reinhold Braun. Seine Predigt hatte zwei Teile, wobei jeweils Jesus im Mittelpunkt stand. Teil eins galt der Corona-Zeit, Teil zwei der Zeit nach Corona. Die heiligen Schutzengel standen jeweils im Mittelpunkt. Sein Beispiel bezog sich auf den heiligen Isidor von Madrid. Er lebte um 1070 und war ein Landmann.

Der Heilige zeichnete sich durch Gehorsam und fleißige Arbeit aus, ohne dabei das Gebet und Übungen der Nächstenliebe zu vernachlässigen. Als sein Bauer ihn für seine Abwesenheit während eines Kirchenbesuches auf dem Feld kontrollierte, hatten Engel seine Arbeit beim Pflügen übernommen. Mit diesem Beispiel wollte Pfarrer Braun ausdrücken, dass die Engel Gottes immer unsichtbar uns begleiten und Hilfsbedürftige unterstützen.

Die Festmessfeier wurde von Gerhard Jäger, Altbürgermeister und Mitglied des Sankt Michaelsvereins, auf der Orgel umrahmt. Mit einer kurzen Andacht und Te-Deum mit kirchlichem Segen wurde das Stiftungsfest beendet. MJ