Wie viele Haselmäuse gibt es eigentlich entlang der Trasse? Unter anderem dieser Frage wird bei einer Kartierung nachgegangen, die für die Planung der Südlink-Leitungstrasse nötig ist. Der Biologe Stefan Kaminsky betreut als freier Gutachter in der gesamten Region die Naturbeobachtung entlang des angedachten künftigen Leitungsverlaufs im Auftrag der verantwortlichen Unternehmen Tennet und Transnet BW. Wer zwischen Münnerstadt und Althausen als Spaziergänger im Wald unterwegs ist und die Augen offen hält, hat eventuell Glück und entdeckt einen der kleinen röhrenartigen Kästen in einem Gebüsch. Sie dienen der Erfassung der Haselmauspopulation.

Im Rahmen der Planungen für das Erdkabelprojekt Südlink sind in vielen Bereichen über den gesamten Vorschlagskorridor Kartierungsmaßnahmen notwendig, erläutert Christopher Göpfert Transnet BW auf Anfrage dieser Zeitung. Mit der genauen Erfassung der Tier- und Pflanzenwelt soll ein Leitungsverlauf gefunden werden, der Natur und Umwelt so wenig wie möglich beansprucht. Damit werden "naturschutzfachliche Schutzgüter" (z.B. Vegetations- und tierische Lebensräume), so Transnet BW, erfasst. Die Kartierungen laufen sowohl auf öffentlichen Flächen wie auch auf privaten Flächen.

Verschiedene Probeflächen

Innerhalb des Vorschlagskorridors wurden einzelne sogenannte "Probeflächen" identifiziert, auf welchen gezielt faunistische Kartierungen durchgeführt werden, so Christopher Göpfert. Hiermit werde gewährleistet, dass die vorhandenen Lebensräume verschiedener Tierarten bei der Planung des zukünftigen Trassenverlaufs berücksichtigt werden. Die Art der Kartierung hängt jeweils vom konkreten Untersuchungsbedarf zu schützender Tierarten und den zu erwartenden Wirkräumen des Vorhabens ab.

Die Haselmaus gehört zu den Tieren, die im Zuge der Kartierung näher beobachtet werden. Der kleine Nager sei gar nicht so einfach zu finden, weiß Stefan Kaminsky. Denn gerade die Haselmäuse führen normalerweise ein Schattendasein.

Gibt es sie überhaupt?

Die Fachwelt habe dem Nager in der Vergangenheit auch nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie anderen Tieren. Haselmäuse seien eher zufällig aufgefallen, beispielsweise wenn Jäger Nistkästen im Wald gesäubert haben; oder beim Wegräumen von Holzstapeln, unter denen die Haselmaus Unterschlupf gesucht hatte.

So ist es auch für den Biologen Kaminsky spannend zu sehen, ob die Niströhren angenommen werden. Haselmäuse leben in der Regel am Übergang der Feldflur in den lichten Wald. Dort finden sie - soweit vorhanden - Unterschlupf in Baumhöhlen. Stefan Kaminsky ist gespannt, wie groß die Population der Region ist. Denn in der Vergangenheit sind in der Landschaft die Nistmöglichkeiten für das kleine Tier rar geworden.

Weiter werden bei den faunistischen Untersuchungen im Zuge der Südlink-Trassenplanung auch die Fledermausbestände kartiert, ebenso die Feldhamster. Fledermäuse werden beispielsweise mit Hilfe von Ultraschalldetektoren ausfindig gemacht. Die Detektoren zeichnen die Rufe von Fledermäusen auf. Die Tiere werden aber auch nachts mit Netzen gefangen und besendert, wodurch ihre Quartiere ausfindig gemacht und dokumentiert werden können. Für die Feldhamstererfassung werden bei Begehungen Hamsterbauten dokumentiert und vermessen. Aber auch Greifvögel, Amphibien, Reptilien und Wildkatzen sollen erfasst werden.

Für geschützte Tiere

Die Kartierungen dienen nach Angaben von Transnet BW der Erfassung gesetzlich geschützter Tier- und Pflanzenarten sowie der Lebensräume von Flora und Fauna. Ebenso werden Lebensräume untersucht, in denen bestimmte Arten potenziell auftreten können. Um zu wissen, wo Lebensräume sein könnten, wurden Südlink-Kartierungen aus 2019 zu Biotoptypen und der Offenlandstruktur sowie Bestandsdaten der Bundesländer zu Artvorkommen und Abfragen bei den unteren Naturschutzbehörden zu Wanderungsbewegungen der Tierarten herangezogen.

Auf Anfrage bestätigt die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Bad Kissingen, dass sie über die Kartierungen informiert wurden. Die Erkenntnisse aus den laufenden Kartierungen fließen in die weiteren Planungen von Südlink mit ein, so die Information von TransnetBW. Sie seien Bestandteil des Planfeststellungsverfahren, in dem der genaue Verlauf der Erdkabel erarbeitet wird.