Wenn einer einen Orden verdient hätte, dann wäre dies Johannes Faßold. Viele Trebgaster könnten dem sofort zustimmen. Während der Corona-Pandemie wurde aus dem Metalltechniker, der an der Lorenz-Kaim-Berufsschule in Kronach unterrichtet, so etwas wie der gute Geist der evangelischen Kirchengemeinde.

"Er zeigt unermüdlichen Einsatz im Kirchenvorstand Trebgast, hat seit Mai letzten Jahres die Online-Übertragung der wöchentlichen Gottesdienste mit viel Technikaufwand - teils von ihm selbst finanziert - ermöglicht und ebenso die Ausspielung auf Antenne Trebgast", schildert Karin Grampp. Sie schlägt den engagierten Mann, der so gut wie nie ein Auto benutzt und stattdessen leidenschaftlich gerne mit dem Fahrrad fährt, für den Bürgerpreis der Bayerischen Rundschau vor. Denn ihrer Meinung nach ist er ein "stiller Held". "Sein Einsatz ist wirklich unbezahlbar", sagt Grampp.

Johannes Faßold freut sich über das Lob, doch soviel Aufmerksamkeit ist ihm fast ein bisschen unangenehm. "Wir haben einfach mit wenig Mitteln versucht, die Gottesdienste zu den Leuten nach Hause zu bringen", sagt er. "Mir war es wichtig, dass wir eine Lösung für den Alltag finden, um gerade jetzt die Leute zu erreichen, wenn sie nicht in die Kirche kommen können. Ich denke, dass Onlineangebote in Zukunft generell selbstverständlicher werden", so Johannes Faßold.

Der Berufschullehrer hat mit ausrangierten Computern angefangen, Gottesdienste zu streamen. Er hat ein Open-Broadcast-Studio im Gotteshaus eingerichtet mit allem Drum und Dran. Die Johanneskirche wurde mit WLAN-Access-Points ausgestattet, mit Routern, HDMI-Kabeln und USB-Kabeln.

Das Funkmikro konnte Faßold in die komplizierte Welt der Technik einbinden. Und schließlich wurde eine HD-Kamera angeschafft. Insgesamt sorgen jetzt zwölf verschiedene Geräte für ein digitales Gottesdiensterlebnis.

Live im Lokalfernsehen

Doch nicht nur im Live-Stream konnten während des Lockdowns die Gottesdienste aus der evangelischen Kirche gesehen werden, die Gottesdienste liefen über den Lokalsender Antenne Trebgast auch live im Fernsehen. Und außerdem hat Johannes Faßold noch einen Podcast etabliert. Auch dieser ist unter der Webseite www.trebgast-evangelisch.de abrufbar. Der letzte Gottesdienst kann einfach als Ton mitgenommen und jederzeit wieder angehört werden.

"Aber die Kirche ist ja inzwischen wieder offen, das ist natürlich noch besser", freut sich Faßold. "Wir waren ein Team, ohne dieses Team hätte ich das alles nicht machen können. Insgesamt sind fünf Leute an der Kamera, wir wechseln uns ab, auch Johannes Popp war oft mit dabei. Alleine wäre das nicht machbar", erklärt er bescheiden.

Doch die Technik ist nur eine Facette seines Engagements. Faßold hat während des Lockdowns auch gemeinsam mit seiner Frau Katharina und weiteren Ehrenamtlichen den alten Büchereiraum ausgeräumt und in eine helle und freundliche Gruppenstube verwandelt, in dem auch Gottesdienste gefeiert werden können. "Unsere Gemeindebücherei ist seit den sechziger Jahren gewachsen, aber es gab eben auch viele Bücher, die nicht mehr so in waren. Wir haben die Bücherei komplett neu aufgestellt und sind mit ihr umgezogen."

Die Bücherei findet man jetzt im Raiffeisengebäude, direkt am Trebgaster Bahnhof. "Schön ist es, dass wir viele Bücher neu bestellen konnten. Viele Leute haben auch Exemplare gespendet", sagt Faßold. Wieder verweist er auf das Team: Auch seine Frau Katharina, Silke Clemens, Claudia Ellner, Anne Greb und Julia Kraus hätten immens geholfen.

Tolle Aktionen geplant

"Er hat die Büchereiräume neugestaltet, alle Bücher zur Ausleihe online verfügbar gemacht und tolle Aktionen mit Kindern geplant", bringt es Karin Grampp auf den Punkt. "Leider konnte die Eröffnungsfeier nicht mehr stattfinden", bedauert indes Johannes Faßold, der noch viele Ideen hat. "Uns schwebt vor, die Bücherei als Treffpunkt im Ort zum Lesen, Kaffeetrinken, Plaudern zu etablieren." Derzeit könne man den Katalog unter www.bibkat.de/Trebgast durchsuchen und sich die vorbestellten Werke abholen. Die Bücherei ist immer mittwochs und freitags von 15 bis 17 Uhr geöffnet und wird ausschließlich von ehrenamtlich Tätigen betreut.