"Das Altenheim ersetzt mir die Familie, hier fühle ich mich richtig wohl", erklärte Willibald Bayerl im BRK-Altenheim Etzelskirchen an seinem 90. Geburtstag. Trotz des hohen Alters wirkt er noch recht rüstig und erzählte scharfsinnig aus seinem Leben.
Bayerl wurde im Sudetenland, dem heutigen Tschechien, geboren und wuchs dort heran. Er war eins von vier Geschwistern. Sein Vater arbeitete in dem kleinen Ort Habersburk als Gemeindeangestellter und die Mutter war Hausfrau. Nach Abschluss seiner Berufsausbildung in der Landwirtschaft wurde er mit 17 Jahren von der Wehrmacht eingezogen und kam in die Normandie nach Frankreich sowie in die Bretagne. Dort wurde er schwer verletzt. Nach der Besetzung Frankreichs durch das englische Militär kam er in Gefangenschaft. Recht bald jedoch wurde er aus dieser nach Bayern entlassen und fand Arbeit in der Mühle und in der Forstwirtschaft bei einem Bauern in Emskirchen.
Am Heiligabend des Jahres 1948 heiratete er im Münster von Münchsteinach seine Frau Anni und zog zu ihr nach Diespeck bei Neustadt/Aisch. Mit Anni war er 44 Jahre glücklich verheiratet. Die beiden hatten drei Kinder, zwei Buben und ein Mädchen. Der Älteste, Stephan, die Tochter Christine und der Jüngste, Günter, kümmern sich heute rührend um ihren Vater im Altersheim. Seine Kinder schenkten dem Jubilar fünf Enkel und vier Urenkel, auf die er sehr stolz ist. 1992 starb Willibalds Frau und er lebte lange Zeit allein, bevor er Ende der 90er Jahre wieder eine Lebensgefährtin kennenlernte. Er zog zu ihr nach Birnbaum, aber auch sie starb frühzeitig. Sein ganzer Trost war der Hund "Atze", ein anhänglicher, wuscheliger "Eurasier", den er über alles liebte. Seit 2012 lebt Willibald Bayerl im BRK-Altenheim in Etzelskirchen. Das Schlimmste für ihn war der Verzicht auf seinen "Atze". Heute lebt der Hund in fürsorglicher Umgebung in Uehlfeld und die Besitzerin hält den Jubilar brieflich und mit Fotos auf dem Laufenden.
Der Jubilar begibt sich heute noch oft mit seinem Rollator auf kleine Spaziergänge, töpferte im Heim noch bis vor kurzem und erledigte auch kleine Schreibarbeiten. Er besucht noch regelmäßig den Bibelkreis, da der Glaube an Gott für ihn ein unerlässlicher Kraftquell ist. Nach dem Geheimnis seines hohen Alters befragt, sagt Willibald Bayerl spontan: "Es waren die Arbeit, der Glaube und das Gebet, die Gelassenheit, der Humor und der Kontakt zu anderen Menschen, die mir dieses Alter beschieden haben."