G ehet hin in alle Welt und macht zu Jüngern alle Völker." So lautet der Auftrag Jesu aus dem Evangelium für diesen Sonntag. Und weil die Jünger diesem Auftrag gefolgt sind, gibt es weltweit Christen. Aus Tansania sind acht von ihnen bei uns zu Gast: Fast 40 Jahre währt die Partnerschaft zwischen Nkweseko und Wetzhausen. Gegenseitige Besuche und verschiedene Partnerschaftsprojekte haben eine tiefe Verbindung zwischen den Christen am Fuße des Kilimandjaro und denen am Fuße der Haßberge geschaffen. 14 Tage schon nehmen unsere Gäste mit großem Interesse an unserem Alltag teil. Auch wir Gemeindeglieder schnuppern in Lebensbereiche rein, die uns sonst verschlossen bleiben: Stundenlang haben wir im Seniorenheim Birnfeld Kippspiegel und Pflegebadewannen begutachtet, im Wohnzimmer der Tagesbetreuung Rosy Gray in Humprechtshausen zu Mittag gegessen, uns in der Zeiler Wohngruppe der Rummelsberger Diakonie auf einer speziellen, mit Rollstuhl befahrbaren Waage gewogen.
Der fremde Blick auf unsere Gesellschaft ist unendlich wertvoll. So vieles, was wir für selbstverständlich halten, ist ein großes Geschenk. Die ganze Pflegeinfrastruktur ist auf höchstem Niveau. Andererseits: Auf die Frage, wie die Altenheime in Tansania aussehen, antwortet Zacharias: Die braucht man da nicht. Die Familie kümmert sich. Und wenn jemand wirklich keine Familie mehr hat, dann die Kirchengemeinde.
Ich bin sehr glücklich darüber, dass bei uns pflegebedürftige Menschen so gut versorgt werden. Aber immer wieder treffe ich auf Großeltern, die von keinem ihrer Enkel je besucht werden.
Schade, wenn wir äußerlich so satt sind, und innerlich Menschen so hungern nach Nähe, Liebe, Fürsorge. Für Jünger Jesu ist das keine Option. Denn der Auftrag Jesu lautet weiter: "Lehrt sie halten alles, was ich euch aufgetragen habe." Und sein Auftrag an uns ist die Liebe zum Nächsten, die Fürsorge, die Nähe.
Die Jünger aus Tansania erinnern uns neu daran! Ihr Besuch ist ein Geschenk.
(Melanie von Truchseß ist evangelische Pfarrerin von Friesenhausen und Wetzhausen.)