Geutenreuth — Das Gleitschirmfliegen ist für Ingo Bäuerlein mehr als nur ein Hobby oder eine Profession, es ist eine Leidenschaft. Über seiner oberfränkischen Heimat ist der 42-Jährige besonders gern unterwegs. Hauptberuflich ist Ingo Bäuerlein Elektromechaniker, nebenbei betreibt er die kleine Firma "FrankenAir", mit der er Luftbilder und Imagefilme vertreibt.


Welche Gedanken gehen einem durch den Kopf, wenn man im Hochsommer mit dem Motorgleitschirm über die fränkische Landschaft fliegt?
Wie schön und vor allem wie vielfältig unsere fränkische Heimat mit ihren Flusstälern, den Sehenswürdigkeiten und den geo grafischen Erhebungen wie z. B. der Fränkischen Schweiz und dem Fichtelgebirge ist.

Gibt es ein besonderes Luftbild von der Region am Obermain, an das Sie immer wieder denken, weil es so schön ist?
Eine meiner schönsten Aufnahmen entstanden an einem sonnigen Herbsttag, als ich über den Anhöhen des Jura flog. Das Plateau des Staffelbergs ragte so gerade noch aus den Wolken, das dahinter liegende Maintal verschwand in einem Nebelmeer.

Welche Jahreszeit oder Tageszeit ist fürs Fotografieren aus der Luft am reizvollsten?
Jede Jahreszeit hat für die Luftbildfotografie ihren besonderen Reiz. Für die Landschaftsaufnahmen eignet sich die Zeit ab Mitte Mai am besten, weil dann die Bäume gerade ausschlagen und die Natur in ihren frischesten Farben zu sehen ist. Weniger reizvoll wird es dann ab Anfang August, wenn die Getreidefelder abgedroschen sind und man dann nur noch monotone braune Ackerflächen vorfindet. Die Mittagszeit eignet sich am besten für die Objektfotografie also Häuser oder Immobilien, da früher oder später am Tag ein unerwünschter Schattenwurf durch die Objekte selber erzeugt wird. Es kann aber durchaus auch reizvoll sein, Landschaftsaufnahmen bei Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang zu erstellen.

Aus welcher Höhe machen Sie Ihre Aufnahmen?
Je nach Objekt und gewünschten Winkeln der gewünschten Aufnahmen fotografiere ich aus einer Höhe von 150 bis 1000 Metern.

Hatten Sie schon einmal eine brenzlige Situation als Gleitschirmpilot?
In dem Jahr, in dem ich mit dem Gleitschirmfliegen begann, hatte ich eine brenzlige Situation in den französischen Alpen, bei der es mir den Schirm komplett einklappte - verursacht durch starke Scherwinde und Thermik - und ich unkontrolliert auf einen Berggipfel zusteuerte. Das Ganze ging glimpflich aus, da ich den Schirm vor der Kollision stabilisieren konnte.
Gelernt habe ich daraus, dass beim Gleitschirmfliegen der Wind dein bester Freund, aber auch dein schlimmster Feind sein kann. Denn er kann dir auf der einen Seite herrliche Aufwinde bescheren, aber auf der anderen Seite kann er auch gefährliche Turbulenzen erzeugen.
Auch nach einer erfolgreichen Ausbildung sollte man sich aber auf jedem Fall vor dem Flug über die aktuelle Wetter- und Windsituation gründlich informieren und auch während des Fluges auf die sich eventuell ändernde Wettersituation achten.
Was würde Viktor von Scheffel wohl dichten, könnte er den Gottesgarten am Obermain aus dieser Perspektive sehen?
Ein Traum ist es, frei wie ein Vogel zu schweben und unser schönes Frankenland von oben zu erleben!

Welche Ausbildung braucht man, um mit dem Motorgleitschirm fliegen zu dürfen?
Zuerst muss man den Gleitschirmschein (ohne Motor) machen. Dies dauert ca. 14 Tage. Idealerweise ist empfehlenswert, den Schein in den Bergen zu machen. Man kann ihn aber auch bei uns an einer Winde machen.
Anschließend kann man mit der Motorschirmausbildung beginnen. Diese beinhaltet mindestens 30 Starts und Landungen mit dem Motorschirm mit Höhenaufbau, Platzrunde, Landeeinteilung, Landung sowie drei Überlandflüge von jeweils mindestens einer Stunde Dauer oder 30 Kilometer Strecke. Dazu kommen noch 30 Theoriestunden über Luftrecht, Meteorologie und Navigation.

Bitte vollenden Sie diesen Satz: Fliegen ist für mich wie ...
... die Freiheit, die man empfindet, wenn man einen Berggipfel erklimmt und anschließend die herrliche Rundumsicht genießen kann. Mit dem Unterschied, dass es nicht ein Gipfel am Tag ist, sondern Hunderte!

Die Fragen stellte
Matthias Einwag
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