Eine Bad Kissinger Institution tritt kürzer: Nach 17 Jahren möchte Rosemarie Gerbeth, die bald 88 Jahre alt wird, einen Großteil ihrer Verantwortung für die Senioreninitiative "Mach mit" abgeben. "Ich bedaure sehr, dass ich aufhören muss", sagt sie, "aber eigentlich gehe ich nur ins zweite Glied zurück." Ihren Nachfolgern und Nachfolgerinnen wird sie also weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Das wird zu Anfang sicher nötig sein, denn es sind große Fußstapfen, die sie hinterlässt. "Die Angst, dass jetzt alles den Bach runtergehen könnte, ist völlig unbegründet", versichert Rosemarie Gerbeth. An den Veranstaltungen wird sie nämlich weiterhin teilnehmen. Das ist auch nötig, denn sie würde den Senioren sicher fehlen. "Einige würden wohl einfach nicht mehr kommen", vermutet sie.
Aus dem Nichts hat Rosemarie Gerbeth die private Initiative im Sommer 2000 erschaffen. Sie hatte während ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit für das Rote Kreuz im Krankenhaus und bei verschiedenen Besuchsdiensten viele alte Menschen kennengelernt, die einsam und unglücklich waren. Um diesen Menschen zu helfen und sie aus ihrem tristen Alltag zu holen, rief sie "Mach mit" ins Leben. "Durch die Musik und das Rote Kreuz hatte ich bereits einen großen Bekanntenkreis, das hat mir sehr geholfen", berichtet die 87-jährige. Erste Treffpunkte waren Säle im alten Telekomgebäude und im Hotel Kaiserhof Victoria, ehe 2009 der Umzug ins neue MehrGenerationenHaus vollzogen wurde.
Ziel der Initiative ist es, die Senioren zu beschäftigen, zusammenzubringen und nicht zuletzt geistig fit zu halten. Angefangen hat alles mit Rommee. "Das gab aber oft Streitereien, deshalb habe ich es irgendwann verboten", erzählt sie schmunzelnd, "daraufhin habe ich begonnen, hinzuhören und herauszufinden, was den Leuten gefällt."
Im Lauf der Jahre entwickelte sich ein buntes Programm: Von Kunst und Kultur, über Gymnastik und Gedächtnistraining bis hin zu monatlichen Ausflugsfahrten oder Referaten und Filmen zu verschiedensten Themen. Sogar wohltätige Veranstaltungen werden organisiert. So konnten beispielsweise bei einem Basar mehrere tausend Euro für Flutopfer in Dresden gesammelt werden, und in Kooperation mit der Caritas wird bedürftigen Kindern zu Weihnachten ein Wunsch erfüllt.
Ein Aushängeschild von "Mach mit" ist das "Veeh-Harfen-Ensemble". Die Veeh-Harfe ist eine vereinfachte Zither und nach ihrem Erfinder Hermann Veeh benannt, der sie für seinen mit dem Down-Syndrom geborenen Sohn entwickelte.
Bei einer Ausstellung zum Thema "Franken im Mittelalter" stieß die gelernte Redakteurin auf das ungewöhnliche Instrument: "Ich habe ein wenig darauf herumgeklimpert und dachte: Mensch, das ist was für Senioren." Mithilfe von speziellen Notenblättern, die direkt unter die Saiten gelegt werden, kann man mit der Veeh-Harfe auch als musikalischer Laie schnelle Fortschritte erzielen. Alle waren sofort begeistert und übten beinahe täglich. "Mittlerweile sind wir so weit, dass wir Konzerte spielen können", erzählt Frau Gerbeth stolz. Künftig wird das Ensemble, das sich jeden Donnerstag trifft, von Marcus Döbert übernommen.
Zum Leben der Kissingen Senioren und mit Sicherheit auch zur geistigen und körperlichen Gesundheit vieler Teilnehmer hat Rosemarie Gerbeth viele Jahre lang einen erheblichen Beitrag geleistet. "Sie macht eine unglaubliche ehrenamtliche Arbeit, die ihresgleichen sucht", betont Iris Hönig, Geschäftsführerin des MehrGenerationenHauses, "es ist wichtig, dass das honoriert wird." Am Dienstag, 17. Oktober, findet im Burkardus Wohnpark eine Dankesfeier statt mit Rosemarie Gerbeth als Ehrengast.