Waggon A4üm63 Nr. 10555 ist im Fahrplan. Zwar steht der Panoramawagen, der einst Teil Luxuszugs "Rheinpfeil" war, inzwischen bewegungslos auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände. Aber eine Reise unternimmt er gerade trotzdem: vom leicht lädierten und in die Jahre gekommenen Waggon zum künftigen "Quartiersmittelpunkt" des Schlachthofgeländes. Dann soll er im alten cremeweiß-roten Glanz erstrahlen, mit neu gepolsterten Sitzen und ausgerüstet, um kleineren Veranstaltungen oder Seminaren Platz zu bieten.

Dafür wird der Wagen von Grund auf saniert: Alles wurde ausgebaut, die Karosse wurde sandgestrahlt, erhielt eine neue graue Grundierung, und im Moment wird gerade das Dach grau lackiert. Viel Farbe ist also noch nicht im Spiel, als Rolf Krebs (Wifög), Joachim Träger (Stadtplanung), Rüdiger Jörg (Hochbauamt) und Alexander Simon (Coburger Designforum Oberfranken) den Wagen an diesem Dienstag in Augenschein nehmen. Der Kompressor der Lackierer rattert und pfeift, die Luft in der von Gerüsten und Planen gebildeten Halle riecht nach Lösemittel.

Azubis postern die Stühle

Rolf Krebs ist für die Abwicklung der Waggonsanierung zuständig. Alles sei im Zeit- und im Kostenplan, versichert er. Wenn die Lackierarbeiten abgeschlossen sind, werden die Fenster wieder eingesetzt. Dann können auch das Gerüst und die Planen wieder entfernt werden, die seit September den Waggon den Blicken entziehen.

Die Firma aus Neustadt an der Donau, die mit dem Sandstrahlen und dem Lackieren des Waggons beauftragt wurde, ist die einzige, die nicht aus der Region stammt. Alles andere übernehmen heimische Firmen, sei es der Einbau der Fenster oder die Elektroinstallation.

Für die Innengestaltung des Waggons ist Alexander Simon zuständig, Student an der Hochschule, angestellt beim Coburger Designforum Oberfranken. Er hat eine Lehre bei einer Waggonausbaufirma absolviert und steht nun vor der Aufgabe, die Innengestaltung des Waggons zu konzipieren. So soll die Geschichte des Waggons sichtbar bleiben, der zu einer Kleinserie gehört, die 1962/63 in Kassel gebaut wurde. Einige Dinge müssen freilich neu gemacht werden. "Wir sind bei der Farb- und Materialauswahl", sagt Simon.

Vorhänge sind noch da

In der Würzburger Bahnhofsbuchandlung hat er durch Zufall das Buch "Legendäre Züge" mit Fotos von der Innenausstattung entdeckt und schwärmt nun von Details wie den Vorhängen und den Tischlämpchen. "Die Vorhänge sind noch da", sagt Joachim Träger. "Bei mir zu Hause. Gewaschen." Träger war es, der den Waggon für Coburg entdeckte, als dieser in Lichtenfels abgestellt war. Er hat auch mit Rolf Krebs zusammen die 22 Sitze ausgebaut, die in der Berufsschule I von den Polsterlehrlingen erneuert werden sollen. Ein Prototyp wurde bereits geschaffen, um Vorlagen für die Polster- und Stoffzuschnitte zu erhalten.

Ebenfalls an der Berufsschule wird die alte Beschriftung wiederhergestellt. Lediglich für die Wappen wurden Spezialfirmen beauftragt, weil dafür die Technik zur Folienherstellung an der Berufsschule nicht ausreiche, wie Krebs sagt. Außerdem hofft er, dass das DB Museum noch einiges zur Innenausstattung beisteuern kann. Dort sind zum Beispiel die Tische aus dem Panoramawagen eingelagert.

Museum ist Eigentümer

Bis zu den Designtagen im Mai 2020 soll der Waggon wenigstens wieder begehbar sein, kündigt Rolf Krebs an. Weil der Waggon Teil des Güterbahnhofskonzept ist, erhält die Stadt für die Sanierung auch Fördermittel, rund 81 000 Euro. Die Gesamtkosten sind auf etwa 150 000 Euro veranschlagt. Eigentümer des Waggons bleibt das DB Museum, Außenstelle Koblenz. Die Stadt Coburg richtet den Waggon her und darf ihn am Güterbahnhofsgelände aufstellen.

So leicht abtransportiert werden kann er ohnehin nicht: Ihn bis zur Fahrbereitschaft zu ertüchtigen, würde rund 600 000 Euro kosten, sagt Rolf Krebs. Aber ob fahrbereit oder nicht: Eisenbahnfans in ganz Europa verfolgen, wie es mit A4üm63 Nr. 10555 weitergeht. In einer schwedischen Zeitschrift war er bereits Thema (in Schweden fuhr er von 1999 bis 2002), und auch die Eisenbahnfreunde Mittelthurgau haben sich schon bei Joachim Träger gemeldet. Auf Schweizer Gleisen war der Waggon rund 20 Jahre unterwegs.