Der Höhepunkt der Neundorfer Kirchweih war natürlich die traditionelle Kirchweihpredigt. Dabei zog Claudia Helmprobst in gekonnter Manier nicht nur über das Dorfgeschehen her und hatte die Lacher auf ihrer Seite, sondern sie nahm sich auch den Weitramsdorfer Gemeinderat und dessen Bürgermeister vor und erntete hier Kopfschütteln und oft ernste Mienen. Natürlich stand der Abriss der Schule im Fokus: "Die Neundorfer Vereine sin nämlich bald obdachlos, Gemaarat und Bürgermaster, des is heuer a haßes Pflaster. Zum Lachen ist des nämlich net, was do ohm im Rathaus abgeht." Und: "Die Leut im Dorf ham sich gfreut, der Ümbau könnt bald agfang und die Diakonie dort eigezieh."
Doch es kam ganz anders, ließ Claudia Helmprobst wissen: "Die Schul wird doch eingerissn, klamm heimlich ham sa des ohm im Rathaus beschlossen." "Da sa die Bürcher frühzeitlich in die Projekte eibind wölln, ham sa vor der Wahl ölla gsacht. Des war a guter Witz - ham mir gelacht." Das alles sei auch für die Blaskapelle ein Albtraum, denn im nächsten Jahr hätten sie keinen Proberaum mehr zum 50. Jubiläum, so Helmprobst in nachdenklicher Manier. Auch die Gemeinderatsentscheidung in Sachen ASB stand im Kreuzfeuer. "Wecher 15 000 Euro Kostenbeteiligung wär die ASB fast abgehaun. Des wird ja immer schlimmer, solcha Deppn wähl mer nimmer." Teilweise war das starker Tobak, was die Kirchweihpredigerin vom Stapel ließ.
Natürlich geschehen in Weitramsdorf auch Dinge zum Lachen: Sei es die Geschichte der zwei Damen, die unabhängig voneinander künstliche Blumen gossen, oder des Bauern, der mit Jauche die Straße "parfürmierte", oder des ehemaligen Automechanikers, der sein Auto in die Werkstatt brachte. Dabei hatte nur ein Metallrohr unter dem Sitz ein seltsames Geräusch verursacht. dav