Es ist schon fast normal geworden, dass Kinder und Eltern schon kurz nach der Einschulung über zu viele Hausaufgaben klagen sowie über zu wenig Zeit für Freizeit oder Freunde. Eine ganze Reihe von Lern- und Entspannungsstrategien können helfen, dies alles auszuhalten oder zumindest erträglicher zu machen.
Beim Tag der offenen Tür in der Waldorfschule Wernstein samt Kindergarten und Krippe ging Franziska Bartels, Lehrkraft der ersten Klasse, der Frage nach, was denn Schule überhaupt bedeute. Dafür richtete sie den Blick der Zuhörer auf das kleine Kind, das lediglich durch Nachahmung der Umgebung und tätiges Üben das Aufrichten, Laufen und Sprechen erlerne. Es tue dies aus einem eigenen, inneren Impuls heraus. "Was es dazu braucht, ist nicht mehr als eine passende Umgebung, Orientierungsmöglichkeit, Zeit und Ruhe", so Bartels.


Wenn die Lernlust steigt

Und wenn es ein bestimmtes Alter und einige körperliche Geschicklichkeit erlangt habe, beginne es irgendwann damit, mit Freuden auch seinen Geist, seinen erwachenden Intellekt zu erkunden, zu trainieren und zu fordern. Diesen Zeitpunkt der wachsenden "Lern- und Wissenslust" nenne man die Schulreife. "Alle Eltern kennen diese Zeit, wenn die Kinder beginnen, sich für Zahlen oder Buchstaben zu interessieren."
Die Schule müsse Antworten bieten. "Aber muss man dem Kind zusätzlich Druck machen und noch mehr in es hineinzwängen, als es von selber wissen und erfahren will?", fragte Bartels. Die Grundidee der Waldorfpädagogik sei, jedem Kind die Zeit zur persönlichen Entwicklung zu lassen. "Wir wollen es nicht von außen entwickeln und schon gar nicht mit Wissen abfüllen." Die Waldorfpädagogen nähmen den persönlichen Entwicklungsplan eines jeden Kindes ernst. "So sehen sie die Aufgabe von Schule vorrangig darin, eine passende, das Interesse weckende und den natürlichen Wissensdurst stillende Umgebung zu schaffen, aus der heraus sich das Kind jeweils das nimmt, was es im momentanen Entwicklungsstadium braucht", betonte Franziska Bartels.
Am Ende der Zeit in der Waldorfschule könne jedes Kind genauso wie in jeder anderen Schule auch die in den jeweiligen Ländern üblichen staatlichen Abschlüsse erreichen.
Nach diesen einführenden Gedanken gab Bartels den Gästen einen Einblick in den Englisch- und Russischunterricht, der bereits ab der ersten Klasse stattfindet, und erläuterte, dass alle Kinder täglich singen. Die Jungen und Mädchen der neunten Klasse führten ihre selbst geschneiderten Kleider vor.
Auch konnten die Gäste durch die geöffneten Klassenzimmertüren dem aktiven, lebendigen Unterricht beiwohnen. red