Betrifft Artikel "Als die Nordhalbener neben der Kirche beigesetzt wurden" vom 28. November 2017:

Angesichts der hier dokumentierten offensichtlich guten Quellenlage in Nordhalben und Bamberg kann ja vielleicht auch Aufklärung erhofft werden über Vorgänge, welche noch keine 200 Jahre zurückliegen - so z. B. über die wohl immer noch nicht geklärten näheren Umstände der Umbettung des am 10. April 1945 hingerichteten österreichischen Soldaten Willibald Frischmann, welcher zunächst am unteren Ende des Friedhofs verscharrt wurde - siehe FT vom 13. April 2015. Der FT berichtete danach mehrfach über den Fortgang der Recherchen.
Der Erschossene wurde dann entweder auf Anweisung des Landrats oder der US-Militärregierung - belegte Quellen gibt es leider immer noch nicht - umgebettet; in einem im Kronacher Jahrbuch 2015 abgedruckten Beitrag heißt es sogar, die ehemalige NS-Frauenschaftsführerin sei mit vorgehaltener MP zum Ausgraben des Erschossenen gezwungen worden - Jahrbuch S. 182. Das wäre ein in jenen Tagen nicht unübliches Verfahren gewesen, als die Alliierten Opfer begangener Kriegsverbrechen mit "Hilfe" ehemaliger Täter bestatten ließen. Aber über eine kirchliche Beteiligung gibt es anscheinend bis heute noch keine Hinweise.
Über diese neue Grabstätte gibt es allerdings bereits frühzeitig dokumentierte Nachweise, und dieses Grab wurde auch nach Angaben einer inzwischen verstorbenen Zeitzeugin über Jahre hinweg von ihrer Schulklasse gepflegt. Eine weitere Umbettung erfolgte dann zur Kriegsgräberstätte in Treuchtlingen; Seite 183.
Zwangsarbeitergräber gab es dann in Nordhalben und Heinersberg mindestens zwei. Über den auf dem evangelischen Friedhof im Grund im Oktober 45 ohne kirchlichen Beistand beerdigten Emilio Benedetti konnte ich herausfinden, dass es sich bei ihm um einen Häftling aus Buchenwald-Dora handelte, welchem im September die Flucht aus diesem Todeslager gelang - keine 4 Wochen später wurde er dann im Wald bei Heinersberg erschossen.
Vielleicht tragen diese Hinweise doch noch dazu bei, dass Vorgänge, welche ja so lange noch nicht zurückliegen, mithilfe von überlieferten Erinnerungen oder Unterlagen aus Archiven von Gemeinde und Pfarrei dem endgültigen Vergessen entrissen werden können.
Horst Mohr, Berlin