Eine spannende Frage hatte im Sommer im Mittelpunkt eines dekanatsweiten Jugendgottesdienstes in Michelau gestanden: Was würden wir heute in Kirche und Gesellschaft beklagen und wie Luther 1517 an die Tür schlagen? Pünktlich zum morgigen Reformationstag sollen die Antworten auf diese Frage präsentiert werden.
Bei der jüngsten Klausur der Dekanatsjugendkammer wurden alle gesammelten Thesen der Aktion "Reformation reloaded" noch einmal gesichtet und geordnet. Im Original können alle Thesen online unter www.dekanat-michelau.de nachgelesen werden.


Für mehr Verständnis

Zu den Wünschen der jungen Leute im Dekanat gehörten unter anderem lebendige und fröhliche Gottesdienst mit moderneren Liedern und Live-Bands, dekanatsweite Freizeiten für Mitarbeitende, eine engere Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand und mehr Verständnis für Andersdenkende und Andersgläubige.
Einige der Thesen richten sich an die Kirche allgemein. So sollten Kirchen nach Meinung der Jugendlichen keine alten Gemäuer, sondern einladende Orte der Begegnung sein. Man sollte Nächstenliebe leben, dürfe Fremde nicht ausgrenzen und müsse den Mut aufbringen, auch ohne klaren Plan einmal etwas Neues auszuprobieren. "Wir sollten zum Singen aufstehen, dann kommt mehr Bewegung in den Gottesdienst", lautete ein weitere Wunsch. Und: "Wir sollten mehr Abendmahl feiern, denn nur wer Gemeinschaft lebt, kann sie auch weitergeben."
Die jungen Leute wünschten sich eine Konfirmandenarbeit, die praktisch gestaltet ist. "Wir regen an, darüber nachzudenken, die Konfirmation um ein oder zwei Jahre zu verschieben, um ihr wieder eine höhere Bedeutung im Leben der Jugendlichen zu verleihen." Und: Auch in Zeiten finanzieller Kürzungen müssten ausreichende finanzielle Mittel für die Jugend bereitgestellt werden. Entscheidungen sollten dabei nicht hinter verschlossenen Türen bleiben, sondern transparent sein.
Einige Thesen gingen auch direkt an Wirtschaft, Politik und Gesellschaft: "Ich fordere eine Welt, in der die Wirtschaft nicht länger wichtiger ist als der Mensch", hieß es da - und: "Ich fordere eine Welt, in der sich Politiker um das Wohl ihres Volkes bemühen." red