Drei Baumhäuser, zwei Tiny Houses und ein Verwaltungsgebäude am Waldrand in Zeegendorf: Das Zaunkönig-Projekt von Bauingenieur Tillman Kohnert, seinem Sohn und Maschinenbausstudent Julius Kuhnert und dem Münchner Tourismus-Professor Theo Eberhard hat zumindest theoretisch seinen Traumplatz gefunden.

Vom Strullendorfer Gemeinderat schon mal im Februar 2019 nichtöffentlich andiskutiert, im März mit Hausaufgaben zur Abklärung rund um Wasser, Kanalisation und Naturschutz bedacht, sollte das Vorhaben mit wichtigen Ergänzungen im November 2020 auch den neugewählten Räten vorgestellt werden. Ziel: die Bereitschaft abzuklopfen, das Wunschgebiet der Planer und Finanzierer per Änderung des Flächennutzungsplan zur touristischen Nutzung freizugeben. Der aktualisierte Plan: Passend zur Entwicklung zum sanften Tourismus und zum weltweiten Baumhaus-Trend soll kein Hotel entstehen, sondern eine umweltfreundliche Minimal-Lösung. Mini-Häuschen in der Luft oder am Boden, für Paare oder Familien, zu jeder Jahreszeit.

Die ersten Schritte sind getan

Was in der Welt boomt, in Frankreich beliebt ist und im südlichen Bayern anläuft, könnte in Franken mit Zeegendorf oberhalb vom Friedhof Pilotprojekt werden. In Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde hat das Unterfangen, das nach dem Minivogel benannt ist, schon diverse Prüfungen bestanden. Mit Baumbiologen wurden außerdem ausgesuchte Bäume auf Eignung gecheckt, Erschließung zum Kanalanschluss und Trinkwasser vom Hochbehälter ohne künstlichen Druck angedacht.

Alle Objekte mit kleiner Terrasse, Parkplätze mit E-Anschluss, Errichtung nacheinander und alles ohne Beton geplant: Bei den kleinen Hoch-Häusern würden spezielle Baumhausschrauben zur Befestigung nach amerikanischem Vorbild in die Bäume montiert werden. Die Argumentation fürs ganze Projekt: Die heimische Kulturlandschaft wolle man aufwerten mit Minimal-Invasion und ohne Flächenversiegelung, mit der Verwendung regionaler Baustoffe und der Einbindung regionaler Hersteller, der Stärkung der lokalen Tourismuswirtschaft und damit der Schaffen von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen für die Kommune.

Gremium bleibt zurückhaltend

Keine eigene Gastwirtschaft, kein Supermarkt und keine Animation: Die Planer setzen auf den Nutzen einer finanzstarken Zielgruppe, die Geld bringen soll und keinen Ärger macht. Auch mit Anwohnern und Nachbarn haben die Planer schon gesprochen und verzeichnen laut Tilman Kohnert "eine einzelne negative Reaktion".

Was die Finanzen betrifft: Die Erschließungskosten würden die Initiatoren selber tragen, an den Planungskosten würde sich die Kommune mit nur einem Viertel beteiligen - ein Betrag, den die Gemeindeverwaltung mit rund 2000 Euro beziffert. Der Gemeinderat reagierte fraktionsübergreifend verhalten und nahm das schon vor der Präsentation zur Wahl stehende Angebot des Bürgermeisters zum erneuten Vertagen an.

Konkret moniert wurde nur das fehlende und erst zu einem späteren Zeitpunkt fällige Brandschutzkonzept; formuliert außerdem die Furcht vor mehr Fahrzeugverkehr - und betont die Wertschätzung des traditionellen Tourismus.

Um Leben ins offensichtlich heikle Thema zu bringen, soll laut Gemeindeverwaltung demnächst eine informative Begehung stattfinden.