Schon immer waren die Menschen von der Zeit der Sonnenwende beeindruckt. Diese Zeit verhieß den Wechsel, das Ringen des Lichtes mit der Finsternis, den Kampf des Guten mit dem Bösen. Vor allem um die Raunächte, wie die Zeit von Weihnachten bis zum Dreikönigstag auch genannt wird, ranken sich nicht nur viele Sagen, sondern auch vielfältiges Brauchtum. Man nutzte die Zeit, um zum Beispiel Haus und Hof gründlich auszuräuchern. So sollten Dämonen ferngehalten werden.

Keine Wäsche wegen des Heeres

Wäsche im Freien aufzuhängen war hingegen untersagt; womöglich wäre die Wäscheleine nämlich dem Wütenden Heer im Weg: Dieses Geisterheer braust dem Volksglauben nach nicht nur, aber besonders gerne in diesen zwölf Nächten durch die Lüfte. Die oft schrecklich zugerichteten Geister der Verstorbenen werden von einer Hundemeute begleitet und angeführt vom Wilden Jäger. Die zahlreichen Sagen, die vom Wütenden Heer erzählen, rühren ebenfalls von altem Dämonenglauben her und sind weit verbreitet. So hat der Wilde Jäger auch in unserer Region Angst und Schrecken verbreitet, wie folgende Sage zu berichten weiß:

"In Kirchenbirkig hatte man vor vielen Jahren das Weihnachtsfest gefeiert und das neue Jahr stand unmittelbar bevor. Nun hatte der Bauer Kober zum guten Jahresschluss noch einige Geschäfte in Gößweinstein erledigt, und machte sich mit Einbruch der Dämmerung auf den Heimweg. Am Himmel türmten sich graue Schneewolken auf, die mit dem rasch dunkler werdenden Himmel verschmolzen. Er schritt schneller voran, wollte er doch vor dem zu erwartenden Wintersturm zu Hause vor dem wärmenden Ofen sitzen und sich die Pfeife stopfen. Mit diesen wohligen Gedanken verließ er auf der Höhe der Büttnersmarter den Waldweg und bog in den kleinen Hohlweg ein, der nach Hause führte. Da hörte er, wie aus der Ferne etwas heranbrauste. Schneidend-kalte Windböen umhüllten ihn jäh mit eisigen Schneeflocken. Von Süden, vom Dorf Trägweis her, schwoll ein tiefes Donnergrollen an und fauchte durch das Tal hindurch, nach Norden in Richtung Siegmannsbrunn. Je näher das Tosen kam, desto deutlicher vernahm der zu Tode erschrockene Bauer auch entsetzliches Geschrei, dazu gellendes Pferdewiehern und das Bellen einer wilden Hundemeute. So schnell er konnte, warf er sich da zu Boden - keinen Moment zu früh, denn schon raste das Wütende Heer in all seinem Schrecken über ihn hinweg. Inmitten der furchtbar anzusehenden Schar erkannte er ganz deutlich den Wilden Jäger mit wehendem Mantel auf seinem großen Schimmel. Der Bauer wagte kaum zu atmen, auch als die grausigen Gestalten schon über ihn hinweg gezogen waren und der Sturm sich legte. Gerade hatte er sich mit zitternden Knien wieder aufgerichtet, da hörte er ganz in seiner Nähe das Wimmern eines Kindes. Er ging dem Geräusch nach und fand zu seiner großen Bestürzung in einer dichten Schlehenhecke einen kleinen Knaben, der nur ein dünnes Hemdchen am Leib trug. Er machte sich sofort daran, den Kleinen aus dem dornigen Gestrüpp zu befreien. Doch kaum hatte er ihn sicher in die Arme geschlossen, da entwand sich ihm der Knabe wieder und stieg wie ein Nebelschweif in die Luft auf, wo er schließlich verschwand."

Bei diesem Kind, so berichtet es die Sage abschließend, könnte es sich um eines der ungetauft verstorbenen Kinder gehandelt haben, die sich nicht selten im Gefolge des Wilden Jägers befanden. Auch die Sagengestalt Frau Berchta (Perchta), der im mitteldeutschen Raum die Sagengestalt Frau Holle entspricht, führt in diesem Zusammenhang manches Mal Kinder mit sich. Ihre Darstellung ist allerdings deutlich positiver als die des Wilden Jägers.

Gutes Ende

Auch für die "Heimchen", die sie begleiten, trägt sie Verantwortung und Fürsorge. So findet beispielsweise die Sage von Frau Holle und dem Kinderzug ein tröstendes Ende: Jedes Jahr holt Frau Holle an ihrem Abend alle Kinder, die ungetauft verstorben sind und bringt sie in ihren Garten. In diesem schönen Garten dürfen sie bleiben - und haben es dort besser als sie es in einem Menschenleben gehabt hätten.