Zwischen den Jahren, schon seit dem 14. Jahrhundert wird die Zeit zwischen Weihnachten und dem Neujahrstag, in manchen Gegenden auch dem Dreikönigstag am 6. Januar, mit diesem Ausdruck bezeichnet. Vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders 1582 hatte das neue Jahr in weiten Teilen Europas gemäß dem Julianischen Kalender am 6. Januar begonnen. Erst 1691 wurde Neujahrstag für die christliche Welt auf den 1. Januar festgelegt - so erklärt es die Gesellschaft für deutsche Sprache. Viele Traditionen und Bräuche rankten und ranken sich um diese "staade Zeit" oder um die sogenannten zwölf Raunächte zwischen Weihnachten und Dreikönig.

"In den Raunächten werden keine Bettlaken gewaschen und aufgehängt", weiß Annekatrin Tauer aus Berndorf. Die Regeln, wie man während der Raunächte zu leben hatte, seien schon von der Oma vorgegeben gewesen. "Diese Regeln haben wir gar nicht erst kritisch hinterfragt", erzählt sie.

Von Altlasten befreien

Man solle sich in den Raunächten von Altlasten befreien, um sie nicht mit ins neue Jahr zu nehmen. So sollte etwa Geliehenes zurückgegeben werden, man solle Streitigkeiten vermeiden und jemandem verzeihen, oder, wenn nötig, einen belastenden Kontakt abbrechen. "Die Raunächte dienen mir, um das Jahr zu reflektieren und dankbar für all die positiven Ereignisse zu sein", sagt Annekatrin Tauer. Es sei auch eine Zeit vieler Erkenntnisse. "Ich nutze die Zeit zum Meditieren und auch zum Schreiben." Aufzuschreiben, wofür man dankbar ist, habe nochmals eine ganz andere Qualität. "Alles wird bewusst entschleunigt, ich bereite mich aufs neue Jahr vor, überlege, was mich inspiriert, was ich erfahren will." Dazu schreibt sie ein Raunachtstagebuch. "Die zwölf Raunächte stehen jeweils für einen Monat im nächsten Jahr - es ist interessant, im kommenden Jahr den Monat anzuschauen, den ich in den Raunächten geschrieben habe."

Als Erwachsene begegnete Annekatrin Tauer einer Räucherfrau. "Das Räuchern sprach mich anfangs nicht an, aber dann kaufte ich mir ein Starterset. Seit 2013 zelebriere ich das Räuchern mit jedem Jahr intensiver." Sogar einen Online-Räucherkurs bietet sie zwischen den Jahren an. "Wer räuchern möchte, sollte auf Naturprodukte achten", sagt sie. Welche Kräuter man verwende, sei jedem selbst überlassen, man solle vor dem Kauf ruhig mal in das Glas hineinriechen.

"Was gut riecht, wird auch auf der heißen Kohle gut tun", sagt sie, wobei weniger oft mehr sei. Weihrauch gelte darüber hinaus auch als desinfizierend. "Früher hat man in den dicht gefüllten Kirchen damit auch Gerüche übertüncht und die Übertragung von Krankheiten verhindert."

Das Räuchern sei reinigend für Körper und Geist und man komme zur Ruhe. "Schnell räuchern geht eben nicht", sagt die Expertin, das Räuchern verstärke die Achtsamkeit - also ein guter Brauch für die eigene Gesundheit.

Auf dem Biohof Distler in Esbach kommt man zwischen den Jahren ebenfalls zur Ruhe, doch etwas anders als bei Annekatrin Tauer in Berndorf. "Schon als Kind habe ich mich auf die Tage zwischen den Jahren gefreut", erinnert sich Birgit Distler. Da hätten die Eltern endlich Zeit gehabt zum Spielen. "Heute treffen wir uns gerne mit Freunden, seit der Corona-Pandemie bevorzugt zum Waldspaziergang." Dann schauen sich die Distlers die herrlichen Christbäume an, die ein fleißiges Helferteam rund um Veitlahm alljährlich schmückt, "wir nehmen uns Glühwein mit und genießen die liebevollen Akzente rund um den Patersberg". Auf jeden Fall genießt es Birgit Distler, wenn mal wirklich nichts geplant und die ganze Zeit der Familie gewidmet ist. "Das ist eigentlich unsere Tradition zwischen den Jahren: Absolut keine Termine, sich mal nicht beeilen müssen."

Ähnlich wie bei Nadine Bayer in Thurnau. "Wir machen zwischen den Jahren nichts Spezielles. Mein Mann muss arbeiten, und ich genieße die Zeit mit meiner Tochter." Sie lebe in den Tag hinein, nehme sich Zeit für Spaziergänge, Filme und zum Entspannen. "Und wenn ich Lust habe, dann putze ich auch mal, aber es gibt bei mir keine wilden Putzaktionen zwischen den Feiertagen." Sie sei kein abergläubischer Mensch, kenne aber die Raunachtstraditionen. "Bei uns ist es traditionell, Linsen zu essen, das bringt Glück fürs neue Jahr." Ansonsten mache sie das, was ihr guttue. "Wichtig ist es, sich mit Energie aufzuladen, um das neue Jahr gut zu überstehen."

Zeit zum Aussortieren

Ruhig lässt es auch Markus Ramming aus Kulmbach angehen. "Ich bin jemand, der sehr häufig mit Menschen zu tun hat, und genieße es, mal das Klischee der ruhigen Tage zu spüren." Wenn er sich dann tatsächlich von allem Terminzwang loseisen könne, dann vernichte er alles. "Ich lösche alte Handyspeicher, Spam-Mails auf meinem Laptop, Datenmüll, unbrauchbare Fotos und Videoclips, die nur Zeit und Speicher rauben." Die Elektronikgeräte würden es mit einer schnelleren Bedienung danken. Außerdem sortiert der Bücherwurm alte Werke durch und bringt sie zum Bücherschrank am Holzmarkt oder zur Bücherbude im Mönchshof-Biergarten. "Was in den Kreislauf des Lebens weitergereicht wird, schafft außerdem Platz für Neues und Luft zum Atmen."