von unserem Redaktionsmitglied 
Andreas Lösch

Ebern/Rügen/Erfurt — Ein alter Weggefährte Dietmar Hofmanns hat es leider nicht geschafft. Wilhelm, der Leiterwagen, der ihn in den vergangenen Jahren zuverlässig bei seinen doch recht strapaziösen Deutschland-Wanderungen begleitete, hat die Biege gemacht.
Jetzt, da Dietmar Hofmann wieder aufgebrochen ist, um zu Fuß rund 650 Kilometer von Norden gen Süden zu ziehen, hat er einen neuen Begleiter. "Er heißt Wilhelm II.", erklärt der 65-Jährige, grinst, und zeigt dem Reporter des Fränkischen Tags den neuen klappbaren, polyesterbespannten Handkarren. Hofmann wird einen Tag später nach Rügen aufbrechen, wo seine Wanderung beginnt. Mittlerweile ist der Eberner schon am sechsten Tag unterwegs. Etwas länger als zwei Wochen insgesamt wird es dauern, bis der Mann sein Ziel Erfurt erreicht haben wird. Bis dahin trotzt er Wind und Wetter und jedweder topografischer Unebenheit.

Zum dritten Mal auf Tour

Dietmar Hofmann ist bereits zum dritten Mal zu solch einer außergewöhnlichen Wanderung aufgebrochen. 2012 lief er 1200 Kilometer von Flensburg nach Füssen, einmal die Längs durch Deutschland, im vergangenen Jahr führte die Route von Wilhelmshaven nach Mittenwald. Stets verband er die Tour mit dem Anliegen, für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei zu werben. Auch dieses Jahr will er sie unterstützen. Heuer wird er erstmals nicht mehr durch ganz Deutschland wandern, sondern eben nur bis ins thüringische Erfurt.
Nicht, dass er sich mit seinen 65 Jahren nicht mehr die längere Strecke zutrauen würde: "Meine Enkelin lässt mich nicht mehr so lange fort", erklärt Hofmann seine Beweggründe, sich weniger zu bewegen. Die siebenjährige Samira hat sich jedenfalls beschwert, dass der Opa zu lange weg ist, wenn er 30 Tage durch die Lande zieht. Deswegen soll Hofmanns Reise heuer nur rund zwei Wochen dauern.
Aber auch die haben es in sich: Schließlich macht Hofmann keine Wellness-Tour, sondern gibt sich mit ziemlich wenig zufrieden: zwölf bis 13 Stunden plant der Eberner täglich ein, in denen er "auf der Strecke" ist. Entlang von Flussläufen, Radwegen und Wanderpfaden kämpft er sich ans Ziel. Geschlafen wird auf einer Isomatte im Schlafsack, ein echtes Zelt ist nicht dabei - Hofmann nimmt mit einer Plane vorlieb, die er über sich spannt.

Im Biwaksack ist es trocken

Sollte es regnen, bietet ein wasserdichter Biwaksack Schutz. Duschen? Naja, darauf muss Hofmann weitgehend verzichten, es sei denn, er landet doch einmal auf einem Campingplatz, aber in der Regel verzichtet er auf so viel Komfort. "Man kann halt nicht so leben wie zu Hause." Leiterwagen Wilhelm II., mit dem er sein Gepäck transportiert, ist der einzige Begleiter. "Ich rede mit ihm", sagt Hofmann und lacht. So, wie er auch Wilhelm I. immer gut zugeredet hat, wenn es darum ging, noch ein paar Kilometer drauf zupacken: "Komm, wir schaffen das", sagte er dann, und Wilhelm ließ ihn nicht im Stich. Dass der erste Wagen nun doch nicht mehr in Schuss ist, ist aber nach etwa 2000 Kilometer auch kein Wunder. Ausrangiert ist der erste Wilhelm zwar, aber noch nicht auf dem Schrottplatz: "Den richte ich wieder her", verspricht Hofmann.

Spenderdatei Dietmar Hofmann unterstützt die Deutsche Knochenmarkspenderdatei Tübingen (Konto-Nummer 9258385; BLZ 79351730).