von unserem Mitarbeiter Harald Rieger

Landkreis Bamberg — Die Stadt Bamberg und die 36 Gemeinden des Landkreises wollen bis zum Jahre 2035 energieautark werden. Um dieses ehrgeizige Ziel auch zu erreichen muss die Region den Anteil der erneuerbaren Energieträger erhöhen und sparsam sowie effizient mit dem Energieverbrauch umgehen.
"Derzeit kommt aber der Anteil der erneuerbaren Energie meist nur im Bereich der Stromerzeugung zum Ausdruck, da die Erfassung der Werte hier leicht möglich ist", schilderte der Klimaschutzbeauftragte des Landkreises, Robert Martin, bei der Tagung des Regionalen Klimarates.

50 Prozent für die Wärme

Allerdings macht der elektronische Strom in Deutschland nur ein Fünftel des gesamten Energieverbrauches aus. So wird etwa ein Drittel als Kraftstoff verbraucht. Das Meiste entfällt mit rund 50 Prozent auf die Erzeugung von Wärme. Im Gegensatz zum leitungsgebundenen Strom, der mit Hilfe von Zählern leicht dargestellt werden kann, ist eine Erfassung des Wärmeverbrauch deutlich schwerer. "Dennoch, um energieautark zu werden, brauchen wir eine Wärmewende und müssen künftig den Wärmeverbrauch ins Auge fassen", erläuterte Martin.
Daher soll nun ein Energienutzungsplan/Wärmekataster in Auftrag gegeben werden, der sowohl alle Gemeinde des Landkreises als auch die gesamte Stadt Bamberg wärmetechnisch erfasst. Die Erstellung eines solchen Katasters ist nicht einfach, da man nicht wie beim Strom einfach die Zählerstände ablesen kann. Aber es gibt mehrere andere Möglichkeiten. Zum einen können die Kaminkehrer helfen, die verzeichnet haben, welche Art von Heizung in jedem einzelnen Haus benutzt wird. Anhand der Leistung einer Heizungsanlage ist es möglich, Hochrechnungen über den Verbrauch zu machen.
Dazu müssten jedoch die Kaminkehrer ihre Daten zur Verfügung stellen. Sollten sie dies nicht tun, erläuterte Martin, müsse man auf die statistischen Daten der Baugenehmigungen ausweichen. Diese wären zwar nicht ganz so genau, aber mit geringer Abweichung ließen sich auch daraus konkrete Zahlen errechnen.
Eine weitere Möglichkeit, den Wärmeverbrauch einer Gemeinde darzulegen, ist die Gebäudestatistik. "Wir kennen das Alter der Häuser und ob sie energetisch saniert sind. Damit können wir dann nach typisierten Berechnungen statistisch den Wärmeverbrauch errechnen."
Auf diese Art und Weise sollen alle Häuser in der Region untersucht werden. Im nachher vorgelegten Plan wird dann allerdings aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht der Wärmeverbrauch der einzelnen Häuser dargestellt, sondern der einzelner Straßenzüge.

Erst ist der Landkreis dran

Einige Gemeinden wie Buttenheim oder Memmelsdorf haben bereits eigene Energienutzungspläne erstellt. Diese werden gegebenenfalls aktualisiert und fließen in die Erstellung des Hauptplanes mit ein.
Auch soll in Bamberg die Konversionsfläche, die knapp zehn Prozent des Stadtgebietes ausmacht, in die Untersuchung miteinbezogen werden - jedoch erst nachdem der städtebauliche Rahmenplan unter Dach und Fach ist. Daher wird zunächst der Landkreis Bamberg erfasst. Ziel des Energienutzungsplan bzw. des Wärmekatasters ist es zum einen, den Ist-Zustand aufzuzeigen und zum anderen Energieeinsparungen und Effizienzsteigerungspotentiale sichtbar zu machen.
Nachdem der Regionale Klimarat sich einstimmig für die Erstellung eines Wärmekatasters aussprach - sofern eine Förderung der Kosten von 70 Prozent bewilligt und der Restbetrag von der Klima- und Energieagentur Bamberg getragen wird - erfolgt nun eine öffentliche Ausschreibung. Mit der Fertigstellung des Planes wird bis Herbst 2016 gerechnet.