Jedes einzelne Huhn muss beim Veterinäramt gemeldet werden. Warum? Wesentlich für die Bekämpfung von Tierseuchen ist es, über den Tierbestand im Landkreis genau Bescheid zu wissen. "Doch leider ist die Dunkelziffer hoch", bedauert das Veterinäramt lückenhafte Meldungen. Das Veterinäramt ist Teil des Landratsamtes Haßberge in Haßfurt.

Vermeidung von Tierseuchen

Tierseuchen durch vorbeugende Maßnahmen zu vermeiden und sie im Fall eines Ausbruchs zu bekämpfen ist eine wichtige Aufgabe des Veterinäramtes. "Die Gesundheit der Tierbestände liegt uns sehr am Herzen", betont Markus Menn, Amtstierarzt am Veterinäramt. Wesentlich für die Bekämpfung von Tierseuchen ist es, über den im Landkreis vorhandenen Tierbestand genau Bescheid zu wissen. "Leider ist dem nicht so. Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer aus", verdeutlicht der Fachmann das Problem.

Warnung

Weil dem Veterinäramt nicht alle Geflügelhalter bekannt sind, wird nun versucht, über die Medien alle Geflügelhalter - und das gilt für jede Geflügelhaltung ab dem ersten Huhn - vor der Gefahr der Geflügelpest zu warnen. Der Vogelzug hat begonnen und in Norddeutschland häufen sich Fälle von Aviärer Influenza (AI-Geflügelpest) bei Wildvögeln. Auch am Main halten sich über die Wintermonate Tausende von Zugvögeln auf, von denen eine Gefahr ausgehen kann.

Viehhaltungen, zu denen auch die Geflügelhaltungen (Hühner, Enten, Gänse wie auch Wachteln und Tauben) zählen, sind beim Veterinäramt anzumelden, damit im Seuchenfall bekannt ist, wo Vieh gehalten wird, und so die Bestände effektiv geschützt werden können.

Dazu benötigt der Halter eine Betriebsnummer (vom Amt für Landwirtschaft) und muss seinen Viehbestand bei der Tierseuchenkasse anmelden, um im Schadensfall entschädigt zu werden. Alle Informationen sowie Formulare zur Anmeldung gibt es im Internet auf der Seite des Landratsamtes Haßberge unter: www.hassberge.de.

"Wichtig ist, dass Kontakte von Hausgeflügel zu Wildvögeln unbedingt verhindert werden", unterstreicht der Amtstierarzt. Diese Inhalte der Geflügelpestverordnung gelten auch jetzt schon, ohne dass die Geflügelpest im hiesigen Raum ausgebrochen ist. So ist beispielsweise Geflügel so zu füttern, dass die Futterstellen für Wildvögel nicht zugänglich sind und das Hausgeflügel nicht mit Oberflächenwasser, zu dem Wildvögel Zugang haben, getränkt wird. Außerdem - und das würde passieren, wenn in der Region die Geflügelpest ausbricht - wird es eine Stallpflicht für Geflügel geben. Das war bereits beim letzten Ausbruch der Geflügelpest in Bayern 2016/17 der Fall.

Kontrollen

"Es ist wohl leider davon auszugehen, dass nicht jeder, der auf dem Marktplatz ein lebendes Huhn kauft, die rechtlichen Voraussetzungen für die Viehhaltung kennt", so Menn. Das führt bei Kontrollen regelmäßig zur Irritation. Aber die Gesetzesvorgaben sind eindeutig. "Wer sich ein Auto kaufen und damit fahren möchte, informiert sich ja auch vorher über die Voraussetzungen dafür."

Bedrohungen von vielen Seiten

Im Moment ist die Lage in vielerlei Hinsicht angestrengt. Die Afrikanische Schweinepest bedroht aktuell die Schweinebestände - Wildschweine ebenso wie die Hausschweine - und breitet sich weiter an der polnischen Grenze aus. Der Landkreis Haßberge ist außerdem zur Hälfte im Blauzungenrestriktionsgebiet, was Auswirkungen auf die Wiederkäuerhaltungen im südlichen Landkreis hat.

All das hat Konsequenzen für die Landwirte. "Dabei geht es nicht nur um finanzielle Einbußen durch Mehraufwand oder Preisverfall, sondern auch durch traumatische Erlebnisse, die dann drohen, wenn Ställe bei einem Ausbruch von Tierseuchen komplett geräumt und die Tiere dort getötet werden müssen", so Dr. Menn.

Das Veterinäramt beim Landratsamt Haßberge rät zur jederzeitigen Einhaltung der Biosi-cherheitsmaßnahmen (Hygiene und damit Schutz der eigenen Nutztierbestände vor Viruseintrag und anderer Bestände durch Verschleppung). Jede kleine Nachlässigkeit könne viel Leid und Schaden bringen - und das nicht nur im eigenen Tierbestand, heißt es aus dem Amt.

Weitere Informationen zu den einzelnen Tierseuchen gibt es im Internet: www.lgl.bayern.de sowie www.fli.de und im Merkblatt "Schutz vor Tierseuchen - was Landwirte tun können" (siehe auch: www.bmel.de). red