Liebe Zeitungsleserin, lieber Zeitungsleser, endlich ist es so weit! Der "greu Hoas" (grüne Hase) hüpft durch das Coburger Land und die Kinder hüpfen fröhlich hinterher in der Hoffnung auf ein paar Ostereier, die dieser Hase verloren hat, und in der Erwartung, dass es nun endlich Geschenke gibt! "Gründonnerstag eben...", denke ich mir und wundere mich, dass die Menschen an der Kirchentüre fröhlich: "Frohe Ostern!" wünschen.
Ist es schon so weit? Sollen wir uns den Karfreitag einfach sparen und das Auferstehungsfest? Reicht das? Fehlt da nicht etwas?
Und ich erinnere mich an Jesus, wie er mit seinen Freunden jahrelang durch die Städte und Dörfer zieht, wie er von Gott erzählt ganz anschaulich und lebensnah, wie er Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, wieder hereinholt, sie heilt von ihrem Aussatz und dem Ausgegrenztsein. Ich denke an Jesus, wie er dann am Palmsonntag auf einem Esel nach Jerusalem reitet und die Bürger Palmzweige auf den Weg werfen. Und wie Jesus dann endlich Zeit findet, um mit seinen Jüngern im Haus eines befreundeten Mannes zur Ruhe zu kommen.
Die müden Füße der Jünger wird Jesus behutsam waschen, die Füße, die so viele Schritte mit ihm gelaufen sind, die Füße, ohne die das Ausbreiten von Gottes Wort gar nicht möglich gewesen wäre, die Füße, die zu Jesu engsten Freunden gehören und die oft an ihre Grenzen gestoßen sind bei dem unendlichen Weg. Das ist Gründonnerstag.
Aufatmen, zur Ruhe kommen, da gönnt Jesus seinen Jüngern eine Erholung und ist selbst der Mann, der sich vor sie hinkniet, um ihnen etwas Gutes zu tun.
Und dann wird er sie bewirten, wird mit ihnen zusammen zu Abend essen und dann die Worte sprechen, die seine Freunde erst einmal gar nicht verstehen können: "Ich bin dieses Brot, das wir miteinander teilen - das ist mein Leib, der für euch gegeben wird - das ist mein Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden."
Und doch spüren die Jünger schon in diesem Moment: Da passiert etwas ganz Besonderes. Jetzt ist Jesus uns so nah, wie er es nie gewesen ist. Wir teilen, wir sind zusammen, Jesus ist ganz für uns da - und dieses Erlebnis, das nehmen sie mit, erinnern sich daran und werden ein paar Tage später ihren Meister genau daran erkennen, dass er Brot teilt und ihnen ganz nah ist.
"Nehmt und esst" - "teilt und lebt Gemeinschaft!" - "erinnert euch an mich, in Brot und Wein bin ich euch ganz nah".
Gründonnerstag. Jesus teilt sich selbst, Jesus teilt Brot und Wein - warum wir da nicht auch so ein "frühes, grünes" Osterei teilen sollten?
Unsere Hoffnung ist viel größer als das, was an Gründonnerstag passiert, aber ein Anfang ist das Teilen schon, eine Verheißung wie es bei Gott sein wird - und in diesem Sinne seien wir gnädig mit dem grünen Hasen und gehen wir dann gemeinsam den Weg durch Karfreitag nach Ostern!

Heidi Reith ist Pfarrerin in Weidhausen.