Mit ungebrochenem Vertrauen in seine kleinen grauen Zellen löst Hercule Poirots auch die schwierigsten Kriminalfälle. Wie Kriminalbuchautorin Agatha Christie ihren Detektiv zum Erfolg verhilft, so will eine Handvoll rüstiger Rentner im Landkreis Lichtenfels auch knifflige Aufgaben meistern. Sie gehen zwar nicht auf Verbrecherjagd, sondern frönen dem Spiel der Könige. Einmal in der Woche treffen sie sich im Güterbahnhof-Café in Lichtenfels oder im Kurpark Bad Staffelstein zum Schachspiel. Bei schlechtem Wetter setzen sie im Café der Schön-Klinik den gegnerischen König Schachmatt. So auch am Mittwoch.
Eigentlich wollten sie wieder in den Kurpark zum Freilandschach, doch das Wetter machte einen Strich durch die Rochade. (Für Nichtschachspieler: König und Turm wechseln gleichzeitig ihre Position.) Die begeisterten Denksportler gehören keinem Verein an, zahlen keinen Beitrag und kennen keine Regularien. Sie spielen einfach.
Nicht nur die Freude am Spiel führt sie regelmäßig zusammen, sondern auch der Wunsch nach einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung. Ein bisschen Organisation gehört allerdings dazu. Das hat Wolfram Schachner aus Reundorf in die Hand genommen. Er unterstützt das Ferienprogramm des Kur- und Tourismusservice. "Wir hatten gehofft, dass ein paar mehr Interessierte kommen", sagt er. Überhaupt: Die Jugend interessiere sich weniger für das Schachspielen, dabei sei es doch so ein schönes Spiel.
Willi Schrader ist aus Bochum nach Bad Staffelstein gezogen. Er misst sich heute mit Wolfram Schachner, der ihm gehörig zusetzt. "Ich habe Freude am Schachspielen, es ist jedes Mal ein anderes Spiel", so sein Kommentar.
Am Nachbartisch setzt Werner Guba, Lichtenfels, seinem Gegner Wolfgang Gerhard aus Bad Staffelstein mächtig zu. Hat er doch eine Unaufmerksamkeit Gerhards genutzt, seinen Turm mit einem Springer zu schlagen. Sein Mitspieler stöhnt: "Die Partie ist verloren." Stand dieser Turm doch im Angriff gegen den Königsflügel auf einer wichtigen Position. Guba spielt bei Bedarf auch mit Patienten der Schön-Klinik. Er macht für das Desinteresse der Jugend Handys und Smartphones verantwortlich, die den Kindern schon in die Wiege gelegt würden. awe