Das ist wahre Freundschaft - ein Kulmbacher geht für seinen Kumpel ins Gefängnis. Weil der Angeklagte den Namen seines Bekannten, der an einem Unfall mitbeteiligt war, der Polizei als auch dem Gericht nicht verriet, wurde er wegen Strafvereitelung vom Amtsgericht Kulmbach schuldig gesprochen: vier Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung ist die Folge.
Es passierte im Sommer letzten Jahres. Ein Fahrradfahrer, der laut Zeugenaussagen alkoholisiert war, war auf ein Auto aufgefahren. Dabei hatte er kein Licht an, obwohl es schon spät nachts war. Ein Schaden von 1488 Euro entstand - und bevor der Autofahrer noch die Personalien erfragen konnte, war der Fahrradfahrer schon längst verschwunden.
Jedoch war er nicht allein - der Angeklagte war beim Unfallgeschehen mit dabei. Eigenen Angaben zufolge waren die beiden Männer davor unterwegs gewesen und hatten Bier getrunken.
Den Namen des Unfallbeteiligten wollte er aber der Polizei nicht nennen. "Ich verrate meine Freunde und Kollegen nicht" und "Ich bin doch kein 31er" waren die Rechtfertigungen des Verurteilten. Der Polizei hatte der Angeklagte am Tatzeitpunkt versichert, dass er für den Schaden seines Freundes aufgekommen werde. Vor Gericht sagte der Angeklagte aus, dass er den Fahrradfahrer nur vom Sehen und nicht beim Namen kenne. Weitere Angaben wollte er nicht machen. Staatsanwalt Willy Dreise und Richterin Sieglinde Tettmann standen der Aussage aber kritisch gegenüber: "Sowas macht man alles nicht für eine fremde Person, die man nicht mal mit Namen kennt", sagte der Staatsanwalt. Aber der Angeklagte ließ sich nicht abschrecken. Trotz drohender Freiheitsstrafe wollte er sich nicht einmal vor Richterin und Staatsanwalt erklären. "Das muss aber ein guter Kumpel sein", sagte Sieglinde Tettmann zum Schweigen des Angeklagten.


Vieles steht auf dem Spiel

Er stand zum Tatzeitpunkt noch unter Bewährung. Für Richterin Tettmann überhaupt nicht nachvollziehbar: "Dann halten Sie trotzdem den Kopf für Ihren Kumpel hin, obwohl so vieles auf dem Spiel für sie steht? Eigentlich spricht nichts zu Ihren Gunsten", machte die Richterin deutlich. Wegen Diebstahls, Hehlerei, Betäubungsmitteln und Beleidigungen war der Mann schon mehrfach vorbestraft. Außerdem zeigt sich der Angeklagte äußerst unkooperativ.. Auch die Polizei habe ihn mehrmals schriftlich als auch persönlich vorgeladen, doch die Termine habe er nie wahrgenommen.
"Da kommt nur eine Freiheitsstrafe in Betracht", sagte Staatsanwalt Willy Dreise. Dem folgte Richterin Sieglinde Tettmann. Außerdem muss der Verurteilte die Kosten des Verfahrens tragen. "Bei Ihnen kann ich keine positive Prognose zu einem straffreien Leben sehen", sagte die Richterin abschließend.