Gertrud Glössner-Möschk

Ortsmitte Waizendorf: renovierte Häuser, ein renommiertes Gasthaus. Mittendrin, wie ein Stachel im Fleisch des schönen Dörfchens, ein verbeultes rotes Monster mit Rostflecken. Es ist ein großer, alter Entsorgungscontainer, der mit einem festen Dach versehen worden ist. Um ihn herum grenzen Leitplanken die Blechkiste von der Straße und vom Nachbargrundstück ab.


Ein Dorn im Auge

Kann so etwas erlaubt sein? Nachfrage bei der Gemeinde Stegaurach. Bürgermeister Thilo Wagner macht am Telefon nicht den Eindruck, als ob er mit der Situation in Waizendorf glücklich wäre. Fürs Fachliche verweist er an Rupert Bergmann, der in der Gemeinde für die Bausachen zuständig ist. Bergmann sagt, dass der Container nicht nur vielen Nachbarn, sondern auch der Gemeinde ein Dorn im Auge sei. Schon im vergangenen Jahr habe er den Fall an das Landratsamt gemeldet und auch darum gebeten, zu überprüfen, ob der Grundstücksbesitzer die Auflagen des Denkmalschutzes beim Bau einer neuen Lagerhalle erfüllt habe. Auch in dieser Hinsicht gebe es Zweifel. Die erbetene Kontrolle ist bisher nicht erfolgt, soweit Bergmann weiß. Er vermutet, dass die zuständigen Mitarbeiter im Landratsamt mit anderen Aufgaben ausgelastet seien.
Was sagt der Besitzer des Grundstücks und des Containers dazu? Zuerst einmal, dass er seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Dann ist er relativ kurz angebunden und sehr bestimmt: "Ich kann machen, was ich will. Was ich auf meinem Grundstück lagere, ist mir überlassen." Und weiter: "Was andere denken, ist mir mittlerweile egal." Der Container sei kein festes Bauwerk und sei deshalb erlaubt. Außerdem brauche er ihn dringend, um Sachen darin zu lagern.
Die Frage, ob es sich um ein festes Bauwerk handelt oder nicht, scheint bei der rechtlichen Beurteilung des Falles tatsächlich ausschlaggebend zu sein. Martin Bergmann, Fachbereichsleiter Bauordnung im Landratsamt, ließ über die Pressestelle ausrichten, dass zwei Beschwerden von Anwohnern vorlägen, die derzeit überprüft würden. Seine Einschätzung: "Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die Aufstellung des Containers zulässig, da er 75 Kubikmeter nicht überschreitet." Der zuständige Fachbereich werde ihn aber im Rahmen einer Ortseinsicht noch einmal genauer "unter die Lupe nehmen".
Erhellend ist in diesem Fall auch die Auskunft der Firma Smital aus Zeil am Main, deren Firmenlogo gut sichtbar auf dem verbeulten Container prangt. Ein Anruf bei dem Entsorgungsfachbetrieb, der auf diese Art von "Werbung" gern verzichten würde, ergab, dass der Container vor Jahren zur Verschrottung anstand.


Auflage: verschrotten

Ausnahmsweise sei er an den Grundstücksbesitzer in Waizendorf verkauft worden mit der Auflage, den Firmennamen unkenntlich zu machen und ihn nach Ende der Baumaßnahmen zu verschrotten.