Schützenvereine sind die ältesten Vereinigungen in unserem Land. In der Marktgemeinde Presseck wurde die "Privilegierte Schützengesellschaft" im Jahre 1834 gegründet. Die Initiative dazu kam vom einheimischen Landarzt Johann Samuel Höhn. 33 Mitglieder waren bei der Gründungsversammlung anwesend. Damit die Gründung des Vereins rechtmäßig war, brauchte man zunächst die Genehmigung des "Freiherrlich von Lerchenfeld'schen Patrimonialgericht" aus dem benachbarten Heinersreuth.
Ohne Schießhaus geht es nicht bei den Schützen. So wurde noch im Gründungsmonat der Antrag zum Bau gestellt. Aber es sollte noch 14 Jahre dauern, bis das Vorhaben in die Tat umgesetzt wurde. Im Jahre 1848 erwarb die Schützengesellschaft einen Acker am Pressecker Knock. Im gleichen Jahr wurde der Bau der Schießstätte in Angriff genommen, mit Keller, Tanzsaal und Schießstand. Sie sollte den gesellschaftlichen Mittelpunkt der Gemeinde bilden, mit Schießen, Bällen, Ausmärschen und Feuerwerk. Bald aber und auf Grund der steigenden Mitgliederzahl wurde das Etablissement zu klein. Ein Anbau musste her. Am 27. Mai 1861 hielt Zimmermeister Ott seinen Richtspruch.


Morsches Holz

Das ganz aus Holz bestehende Schützenhaus kam in die Jahre. Die Bretter knarrten bei jedem Windstoß, das Holz war ausgebleicht und morsch und der Holzwurm hatte längst Einzug gehalten. Die einst noble Begegnungsstätte war nicht mehr im besten Zustand. Die Verantwortlichen der Schützengesellschaft und die Mitglieder träumten von einem Neubau. Aber ein solcher und am besten in Steinbauweise war teuer. Dazu kamen noch die Abrisskosten für das alte ausgediente Gebäude. Trotz vieler Diskussionen und vereinsinterner Sitzungen, man tat sich schwer, sich für eine neue Schießanlage zu entscheiden.
Es war ein ruhiger Auftakt des Weihnachtsfestes im Jahr 1882. Die Bewohner der Oberlandgemeinde lagen längst in ihren Betten, als sie am 25. Dezember 1882 gegen drei Uhr von der Feuerglocke aus dem Schlag gerissen wurden. Der Feuerschein, der den Himmel rot färbte, wies den Schlaftrunkenen den Weg zur Unglückstelle. Das Schießhaus brannte. Trotz aller Bemühungen der Feuerwehr war es zwei Stunden später vollständig niedergebrannt. Aber was war die Ursache des Brandes? Oder war es womöglich gar Brandstiftung?
Licht in die Dunkelheit brachte die Schwurgerichts-Sitzung am 11. Mai 1883 in Bayreuth. Der Brandstiftung angeklagt waren der Bäckergeselle Christian Mehringer und der Taglöhner Paulus Dressel, beide aus Presseck. Sie wollten der Schützengesellschaft einen "Liebesdienst" erweisen, sagten sie aus, in der Hoffnung von derselben eine Belohnung zu erhalten. Zur Brandstiftung trafen sich die beiden morgens um zwei Uhr vor der Wohnung von Mehringer und bestückten sich mit einem mit Petroleum gefüllten Krug, einer Hacke und einem Arm voll dürren Holzes. Am Schießhaus angekommen, soll nun Dressel mit der Hacke einen Fensterladen aufgesprengt haben, so dass Mehringer bequem einsteigen konnte. Dieser schob das mitgebrachte Holz unter eine Reihe von Stühlen, begoss es mit Petroleum und entzündete das Ganze. Nachdem sich die Übeltäter überzeugt hatten, dass ihr Werk gelungen war, begaben sie sich wieder nach Hause. Während Mehringer bei der Verhandlung die Tat gestand, leugnete Dressel alles. Das Gericht sah die Schuld der Angeklagten als erwiesen an und verurteilte beide zu je drei Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren.


Schneller Neubau

In den Schützengesellschaften scharten sich in früheren Zeiten meist die wohlhabenderen Bürger einer Gemeinde. Das traf auch auf Presseck zu. Nun waren sie gefordert, ihren finanziellen Beitrag zu leisten. Zu einer Entscheidung gezwungen, wurde bereits im Jahre 1883 das neue massive Schützenhaus fertiggestellt. Und da man noch Geld übrig hatte, gönnte man sich wenig später noch ein "Schützentreff-Blockhaus" im romantischen Lautengrund.