Wort zum Sonntag für den 20. Dezember:

Liebe Leserinnen und Leser! Wie sieht dieses Jahr Ihr persönliches "perfektes" Weihnachtsfest aus?

Als Kind habe ich mir immer gewünscht, dass unbedingt Schnee liegen muss. Einmal muss ich wohl während der Kinderkrippenfeier so inständig gebetet haben, dass ich tatsächlich aus der Kirche in die weiße Winterwelt treten konnte. Ich vermute, dass sich dieses Erlebnis positiv auf meine religiöse Entwicklung ausgewirkt hat und ich von da an wirklich glaubte: Ja, es gibt Gott! Es braucht eben manchmal nur kleine Zeichen. Ich habe es trotzdem geschafft, den Wunsch nach "White Christmas" mit der Zeit nicht mehr für ein perfektes Weihnachten verantwortlich zu machen. Der Klimawandel zwingt mich außerdem dazu.

Schnee braucht es also nicht. Ist es dann vielleicht der perfekte Christbaum? Schön soll er schon sein, natürlich aus dem Spessart mit herrlichem Nadelduft, möglichst ökologisch und nachhaltig. Ich betrachte die Christbaum-Geschichte als das erste kleine Wunder in den Tagen vor Heiligabend, wenn der Baum aufgestellt wird. So viele Macken der Baum auch hat, hängen einmal die Lichterkette und die erste Kugel dran, stehen wir mit verklärten Blicken davor und denken: Es ist der schönste Baum, den wir jemals hatten.

Mit Anmerkungen zum perfekten Geschenk fange ich hier lieber gar nicht erst an. Diese Sache ist so individuell, da hat jeder seine eigenen Erfahrungen gemacht. Immer öfter höre ich auch von Bekannten, welche diesen "Geschenke-Wahnsinn" abgeschafft haben oder es nur noch auf eine Kleinigkeit beschränken. Die Corona-Pandemie erspart uns in diesem Jahr wenigstens, an Heiligabend um 11 Uhr vormittags noch in die Stadt zu rennen, um Geschenke zu kaufen.

Vielleicht ahnen Sie bereits, was zu meinem perfekten Weihnachtsfest gehört. Vor Jahren habe ich es schmerzlich erfahren müssen. Ein Mitglied meiner Familie zog es vor, an Heiligabend am anderen Ende der Welt zu sein, genauer gesagt 18 364 km von uns entfernt. Mir wurde damals bewusst, wie wichtig und schön es ist, wenn zumindest an Weihnachten die engste Familie beisammen ist. Ich bin den Verantwortlichen in der Politik dankbar, dass dies auch dieses Jahr möglich sein wird, auch wenn man ein bisschen organisieren bzw. zählen muss, wenn man eine größere Familie hat.

Hier möchte ich betonen: Wenn man eine Familie hat. Viele Menschen sitzen an den Weihnachtstagen alleine zu Hause und warten auf Besuch. In diesem Jahr wohl viele vergeblich. Andere Familien sind unfreiwillig getrennt, weil sie vor Krieg und Hunger fliehen mussten. Erschüttert lese ich in diesen Tagen immer wieder von den Zuständen der Geflüchtetenlager auf den griechischen Inseln Moria oder Lesbos. Ärzt*innen ohne Grenzen berichten unaufhörlich von menschenunwürdigen Zuständen. Menschenrechtsorganisationen und die Zivilgesellschaft fordern seit Monaten die Aufnahme von Geflüchteten aus den Lagern. Es ist paradox: In unserem Land zwingt die Pandemie zu Leerstand von Hotels und Ferienwohnungen, wohingegen an den Rändern Europas bedürftige Menschen diesen Platz so sehr bräuchten, aber nicht bekommen.

Das Sinnbild unseres Weihnachtsfestes, der Blick zur schwangeren Maria mit ihrem Josef auf der Suche nach einer Herberge liegt nicht fern. Wenn wir uns also dieses Jahr fragen: Wie sieht mein perfektes Weihnachten aus? Sind wir uns sicher alle einig, dass es völlig egal ist, ob es geschneit hat oder wie der Baum aussieht. Ein warmes Zuhause mit der vereinten Familie dagegen ist wahrscheinlich das, was sich alle Menschen wünschen. Vielleicht sollten wir besonders in diesem Jahr uns auf unsere christlichen Werte besinnen und in unser Handeln einfließen lassen: Eine Spende an eine gemeinnützige Organisation oder vielleicht kennen Sie eine alleinstehende Person, die sich in diesen Tagen über eine Karte im Briefkasten, ein Telefonat oder eine kurze Unterhaltung an der Haustüre freuen würde. Das wäre wirklich perfekt und würde die Frohe Botschaft in die Welt tragen!

Zu guter Letzt verrate ich Ihnen aber doch noch das perfekte Geschenk. Das perfekte Geschenk an Weihnachten ist Jesus. Gott schenkt uns mit Jesus seine ganze Liebe. So menschlich nah kommt uns Gott. Mit seinem Sohn Jesus kommt Hoffnung, Trost und Frieden in unser Leben. Der perfekte Grund für: Frohe Weihnachten!

Regina Bühner, Gemeindereferentin