Es nennt sich "Lungenzentrum", doch gemeint ist damit weniger ein Ort als eine medizinische Herangehensweise: Regiomed will Standorte, medizinische Fachrichtungen und Sektoren wie "ambulant" und "stationär" so vernetzen, dass die Patienten die bestmögliche individuelle Versorgung erhalten. "Ziel des Regiomed-Lungenzentrums ist die ganzheitliche Diagnostik und Behandlung aller Erkrankungen der Lunge und der Atemwege. "Wichtig ist uns dabei vor allem die Interdisziplinarität und die Vernetzung mit den weiterbehandelnden niedergelassenen Ärzten, wie Pneumologen, Internisten oder Hausärzte", sagt Dr. Claus Steppert, Leiter des Lungenzentrums und Chefarzt der Abteilung Pneumologie am Klinikum Coburg.

Am Dienstag hat Regiomed dieses Lungenzentrum formell gegründet. "Alle Erkrankungen der Lunge und Atemwege" könnten dort diagnostiziert und behandelt werden, sagt Steppert. Nur Lungentransplantationen seien nicht möglich. Aber abgesehen davon sei im Lungenzentrum "ein individuell differenziertes und abgestuftes Behandlungskonzept von konservativer Therapie über chirurgische Eingriffe bis hin zu komplexen multimodalen Therapiekonzepten" möglich, sagt Privatdozent Zsolt Sziklavari, Chefarzt der Thorax-Chirurgie in Coburg. Die Lunge sei neben dem Herzen das einzige Organ, durch das das gesamte Blut fließe. Deshalb sei sie häufig mitbetroffen, wenn ganz andere Organe erkrankt seien, sagen Claus Steppert und Zsolt Sziklavari. Viele Lungenerkrankungen seien chronisch, die auch nach einer Entlassung aus der Klinik weiterbehandelt werden müssten. Deshalb sei die Vernetzung mit den niedergelassenen Ärzten wichtig.

Stefanie Straub, Krankenhausdirektorin des Coburger Klinikums, will die die Errichtung einer Beatmungseinheit und eines Schlaflabors vorantreiben, so dass beides vielleicht noch heuer eingerichtet wird. Alle Regiomed-Kliniken werden die pneumologische Basisversorgung anbieten, betont Claus Steppert. Die Spezialisten des Lungenzentrums in Coburg würden jedoch unterstützen, so dass alle Patienten in allen Kliniken von der Expertise im Netzwerk profitieren können. Damit sei eine hoch spezialisierte und heimatnahe Behandlung möglich. Die niedergelassenen Ärzte sollen zudem die Möglichkeit haben, die teilstationären Angebote zu nutzen, zum Beispiel das geplante Schlaflabor.

Die Corona-Pandemie verleiht dem Lungenzentrum zusätzliche Bedeutung: Zum einen, weil das Virus zwar durch die Lunge in den Körper gelangt, aber auch andere Organe betrifft. Und: Die ersten Long- oder Post-Covid-Patienten seien schon in Behandlung, sagt Sziklavari. Das durch Covid geschädigte Lungengewebe habe eine Verschlechterung der Lungenfunktion zur Folge. Das könne dazu führen, dass bei Operationen abgewogen werden müsse, was schlimmer sei: Nicht zu operieren oder - wegen der dabei notwendigen Beatmung - einen weiteren Funktionsverlust der Lunge riskieren. sb