Michael Memmel Politik ist ein schnelllebiges Geschäft. Vor gut einer Woche stand Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) mit dem Rücken zur Wand. Hinter ihm lag eine Bezirkswahl mit einem mauen Ergebnis für ihn in der Stadt Bamberg. Vor ihm baute sich ein Bürgerentscheid auf, der "eines der wichtigsten Zukunftsprojekte der Stadt", den Gewerbepark Geisfelder Straße, zu schreddern droht.

Was tun in so einer Situation? Der eine oder andere Politiker würde bis zum 18. November in Schockstarre verfallen. Der rote Rathauschef hingegen bewegte sich. Und zwar nicht nur einen, sondern mehrere Schritte in Richtung Bürgerinitiative (BI) "Für den Hauptsmoorwald". Eine Reduzierung des Parks um bis zu 50 Prozent auf rund 20 Hektar Gewerbefläche dürfte bereits deutlich jenseits seiner Schmerzgrenze gelegen haben. Dass die BI darauf nicht einging, wird nicht nur Starke und seine Politiker-Kollegen enttäuscht haben, sondern auch manchen in dieser Frage noch unentschlossenen Bamberger. Der Gegenvorschlag der Initiative mutet so an, als wollte sie das finale "Nein" Starke und Co. überlassen. Ihre Protagonisten können nicht ernsthaft geglaubt haben, dass die Stadt Grünes Licht für ein solches Gewerbe-Gärtla geben würde.

Nun soll im Stadtrat heute das letzte Wort zu Rats- und Bürgerentscheid gesprochen werden. Starke und die Fraktionen könnten alles beim Alten belassen. Oder sie können den Ratsentscheid in Richtung des vom OB angebotenen Kompromisses abwandeln. Das würde die Zweifel zerstreuen, Starkes Vorschlag sei nur strategischer Natur und gar nicht ernst gemeint gewesen. Und alle Politiker würden beweisen, dass sie sich bewegen können.