"Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen", sangen die Gläubigen aus voller Kehle. Anlass für die Konfessionen verbindende Feier zum Thema "Erinnerung heilen - Jesus Christus bezeugen" war das Jubiläum "500 Jahre Reformation". Ein vom Altenkunstadter Hobbykünstler Ernst Müller geschaffenes Holzkreuz, das quer vor dem Altar lag, lenkte die Blicke der Besucher auf sich.


Symbol der Versöhnung

Sinnbildlich stellte es eine Barriere dar, die Menschen den Weg versperrt. Den Weg zum Nächsten, ebenso wie den Weg zu Gott. Im Verlauf des Gottesdienstes wurde das Kreuz aufgerichtet und damit zu einem Symbol der Versöhnung. Die Ökumenekreise Altenkunstadt und Burgkunstadt, ehrenamtliche Mitarbeiter sowie die Geistlichen der Gemeinden gestalteten die Feier. Der Seelsorgebereich Obermain-Jura war durch Franziskaner-Pater Kosma Rejmer, Pfarrer Gerhard Möckel, die Diakone Herbert Mayer und Konrad Funk sowie durch Pastoralreferentin Birgit Janson vertreten. Für die evangelischen Kirchengemeinden wirkten die Pfarrer Heinz Geyer und Christian Brecheis, Pfarrerin Claudia Jobst und Vikar Christian Parchent mit.
Bläser der evangelischen Posaunenchöre aus Burgkunstadt und Strössendorf, das Flötenensemble "Flauto Rondo" sowie Roland Schöps an der Orgel sorgten für die musikalische Umrahmung. Gesangliche Glanzlichter setzte ein ökumenischer Chor, bestehend aus dem katholischen Kirchenchor Altenkunstadt, dem evangelischen Chor "Querbet" aus Burgkunstadt und dem "Liederkranz" Burgkunstadt. Die liturgischen Texte der Feier basierten auf dem zentralen ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst, zu dem am 11. März der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz in die Michaeliskirche in Hildesheim eingeladen hatten. "Zum ersten Mal feiern wir in unserer Region gemeinsam das Gedächtnis der Reformation. Dafür danken wir Gott", erklärte Pater Kosma Rejmer.
Wie Pfarrer Heinz Geyer betonte, hätten in der Vergangenheit die Jahrhundertfeiern der Reformation die Gräben zwischen den Konfessionen vertieft. Im Jubiläumsjahr 2017 solle dies anders sein: "Wir wollen nach den gemeinsamen Wurzeln, den wechselseitigen Herausforderungen und den verbindenden Zukunftsaufgaben fragen." Dem Geistlichen zufolge war der Wille zur Profilierung stärker als die Suche nach Gemeinsamkeiten. Im Schuldbekenntnis machten Gläubige beider Konfessionen deutlich, dass Christen in Eifer und Unduldsamkeit Krieg geführt hätten. Menschen seien um ihres Glaubens willen verfolgt und vertrieben, gefoltert und getötet worden.
"Wie kann Ökumene geschehen?", fragte Pfarrer Christian Brecheis in seiner Predigt. "Wir feiern, dass wir zusammengehören und dass trotz unterschiedlicher Überzeugungen das Kreuz im Mittelpunkt steht", betonte er. Christen beider Konfessionen könnten viel gemeinsam tun: "Viel ist im Reformationsjahr bereits geschehen und viel wird noch passieren." Der Geistliche verwies auf den ökumenischen Reformationsgottesdienst am 31. Oktober in der Weismainer Stadtpfarrkirche. Brecheis zufolge gibt es aber auch eine andere Seite der Ökumene. Schwieriger werde es, wenn es um nicht geklärte Fragen des Amtsverständnisses, der Ordination und der Eucharistie gehe. Der Seelsorger mahnte die Gläubigen zur Toleranz: "Wir sollten ertragen, dass der andere ebenso recht haben könnte und er aus Gewissensgründen uns bei bestimmten Themen nicht entgegenkommen kann." Brecheis empfahl, auf das Kreuz zu schauen, das Christen verbindet. "Wir sind nicht in der Lage, alle strittigen Fragen auszuräumen. Aber wir können in der Verbundenheit mit Christus zusammenkommen und gemeinsam feiern", fasste er zusammen. Dieser Gottesdienst soll nach dem Willen der beteiligten Kirchengemeinden nicht folgenlos bleiben. Im Vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes verpflichteten sie sich, die grundlegenden Gemeinsamkeiten im Glauben in allen Formen der Verkündigung hervorzuheben, gemeinsam Zeugnis von Gott abzulegen und, wo immer es möglich ist, gemeinsam zu handeln und einander aktiv zu unterstützen. Und das nicht zuletzt in Fragen der Caritas und Diakonie, der sozialen Gerechtigkeit, der Friedenssicherung und der Wahrung der Menschenrechte. Pater Kosma Rejmer dankte am Ende allen Mitwirkenden und Helfern. Es schloss sich ein geselliges Beisammensein im Jugendheim "Villa" an.