Als einen Bioindikator für den Klimawandel bezeichnet der Kersbacher Orchideenexperte Adolf Riechelmann das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), das die Arbeitskreise Heimische Orchideen der Bundesländer jetzt zur Orchidee des Jahres 2020 wählten (wir berichteten). Riechmann weist auf die besondere Gefährdung des Lebensraumes dieser Spezies gerade im Landkreis Forchheim hin.

Der lateinische Artname majalis bedeutet in der Übersetzung im Mai wachsend und trifft daher gut die frühe Blütezeit dieser Art. Für das Volk waren die seltsam anmutenden Formen der Knollen von mehr als nur rein botanischer Bedeutung, so der Orchideenexperte. Es schrieb ihnen unter abergläubischen Einflüssen okkulte Kräfte zu und gab den unterschiedlichen Wurzeln entsprechende Namen. Während der volkstümliche Name Heiratswurzel auf die frühere Verwendung unterirdischer Teile der Pflanze als Aphrodisiakum hinweist, machen die alten Bezeichnungen der helleren, diesjährigen Knolle - wie Christusfinger, Marienhand, Gotteshand, Glückshand oder Johannishand - die Verwendung als Glückssymbol deutlich. Die ausgezehrte und schwärzliche Altknolle hingegen, weiß Riechelmann, galt als Sinnbild des Bösen und wurde als Teufelshand, Satansfinger oder Satansnahrung bezeichnet.

Düngung und Trockenlegung

Ihren Verbreitungsschwerpunkt habe diese typische Feuchtgebietspflanze im Landkreis Forchheim in den Wiesen und Hangquellmooren im Bereich zwischen Dobenreuth und Mittelehrenbach, so Riechelmann. Die Orchideenart wird in der Roten Liste der Farn- und Blütenpflanzen (2018) bundesweit als gefährdet geführt. In der Vergangenheit habe sie durch Düngung und Trockenlegung, fehlende Mahd und nicht auf die Ansprüche der Art abgestimmte Beweidung viele Wuchsorte verloren. Individuenreiche Bestände der ehemals häufigsten Sumpforchidee seien erheblich seltener geworden. Riechelmann: "Viele Vorkommen konnten nur durch die Pflegemaßnahmen des amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutzes einschließlich des Vertragsnaturschutzes erhalten werden."

In den letzten Jahren zeigte sich demnach aber eine neue Gefährdung. Fehlende Niederschläge im zeitigen Frühjahr führten zu einer deutlichen Austrocknung der Wuchsorte. Setzen sich die bislang beobachteten Rückgänge fort, wird dieser Feuchte- und Nässezeiger auf den vermehrt im Frühjahr trockenfallenden Flächen nicht überleben, meint der Kersbacher.

Feuchtwiesen erhalten

In diesem Zusammenhang stellt sich für Riechelmann aber die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist, jede nasse Wiese - und das oft mit erheblichem Aufwand - trockenzulegen, wie das heute vielfach noch geschieht. Es ließen sich aus der Fränkischen Schweiz Beispiele dafür anführen, dass derartige Maßnahmen oft genug nur das Gegenteil von dem erreichten, was ursprünglich damit beabsichtigt war.

Sein Vorschlag: Viel sinnvoller wäre es doch, die noch verbliebenen Reste an Feuchtwiesen, die in unserer Landschaft eine Vielzahl von ökologischen Funktionen erfüllen, zu schonen und stattdessen eine Ertragssteigerung des Grünlandes dadurch anzustreben, dass die Unkrautbekämpfung auf den bestehenden bodenfrischen Weideflächen durch Nachmähen und überlegten sowie sparsamen Düngereinsatz verstärkt würde. red