"Auf 54 Quadratkilometern Tännesberg und 34 Quadratkilometern Mitwitz kann man die Welt nicht retten." Behauptet hat das Florian Lang, der Koordinator des Modellprojekts "Marktplatz der biologischen Vielfalt - Bayerische Kommunen setzen auf Biodiversität". Der Satz war die Antwort auf eine Frage während der Exkursion nach Tännesberg, die die LBV-Gruppe Steinachtal mit Vorsitzendem Ulrich Münch organisiert hatte. Tännesberg deshalb, weil diese Oberpfälzer Gemeinde sich als erste "Biodiversitätsgemeinde" einen Namen gemacht hatte.

Mit im Bus saßen auch Bürgermeister Oliver Plewa und einige seiner Gemeinderäte. Alle zusammen wollten sich Anregungen holen und aus den Erfahrungen anderer lernen. Und Plewa möchte ein "heißes Eisen schmieden", denn gerade jetzt sei das Grüne Band in aller Munde. Zu verdanken sei dies vor allem dem "Vater des Grünen Bandes", Kai Frobel. Für Mitwitz möchte der Bürgermeister zahlreiche Akteure ins Boot holen, um am Ende vielleicht auch beispielgebend für andere Gemeinden zu sein.

Ein Resümee haben Münch und Plewa schon gezogen: "Wir sind in Mitwitz genau auf einem guten Weg und auch schon ziemlich weit gekommen."

In Tännesberg informierte Florian Lang die Gäste aus Mitwitz. Dabei streifte er ein riesiges Spektrum an Landschaftspflegemaßnahmen und Biotoppflege. Es reichte von den gemeindlichen Flächen bis hin zum Privateigentümer, vom Anbau seltener Getreideformen bis hin zur Haltung seltener Haustierrassen. Die Erzeugnisse würden durch örtliche Projektpartner weiterverarbeitet. Eine nicht zu unterschätzende Komponente sei dabei aber auch die Bewusstseinsbildung und die Vermittlung von Naturerlebnissen in der Umwelt bei der Bevölkerung.

Ulrich Münch kam zu folgendem Ergebnis: "Viele kleine Projekte machen am Ende die Artenvielfalt aus. Das bedeutet ganz einfach: hier mal eine Hecke, da eine artenreiche Wiese oder eine Streuobstwiese. Man kann Gräben vielleicht nur teilweise mähen, Fichtenriegel entfernen, um eine Bebuschung zuzulassen. Oder man kann einen Bach wieder in sein natürliches Bett zurückführen." Und viele dieser Maßnahmen könne man auch für den Tourismus nutzen. "Außerdem kann man Flächen offen beweiden und danach das Nutzvieh essen."

Münch ist sich sicher: "Wir sind auf dem richtigen Weg und wir sollten versuchen, pro Jahr mindestens ein bis zwei Projekte durchzuführen. Man darf nämlich nicht vergessen, dass es ohne Artenvielfalt kein Obst gibt, die Nischen für Insekten werden immer kleiner und wenn es keine Insekten mehr gibt ..."

"Dann gibt es auch kein Leben mehr", hätte der Satz enden können, denn längst weiß man, welche katastrophalen Auswirkungen das Insektensterben auf das gesamte Ökosystem hat. Ein Beitrag dazu könnte auch die Zertifizierung als "Naturgarten" sein, der Anreize für Bürger schaffen soll, nicht jeden Grashalm akkurat abzumähen.

Im Kopf von Oliver Plewa drehte sich ebenfalls vieles vorrangig um die Gemeinde Mitwitz und speziell auch um die gemeindlichen Flächen für ökologische Pflegekonzepte. Er hat vor allem eine Vision: "Wir wollen das Grüne Band erlebbar machen." Dabei brauche es sehr viele Akteure, um etwas Großes entstehen zu lassen. Alle müssten gemeinsam an einem Strang ziehen." Er nannte den Landschaftspflegeverband (LPV), den Landesbund für Vogelschutz (LBV), den Landkreis, private Eigentümer, die Forstwirtschaft, den Fremdenverkehrsverein und vor allem auch die Gemeinde, denen einzelne Aufgabengebiete zufallen könnten. Und daraus könne dann eben ein großes Ganzes entstehen. "Aber dafür braucht es vor allem Zeit und es braucht noch mehr Akzeptanz, denn alles hängt zusammen. Und wir leisten Pionierarbeit."

Eine der ersten Maßnahmen könnte ein Naturthemenweg sein, der von Mitwitz zum Grünen Band führt. Man wolle die Bevölkerung einbinden, sie mitnehmen. "Und wir müssen vor allem auch das erhalten und pflegen, was schon geschaffen wurde. Dann können wir weitere Trittsteine dazufügen." Maria Löffler