von unserem Mitarbeiter Günther Geiling

Limbach — Fabio findet: "Also, da sitzen wir wie in einem Restaurant", und Ariana: "Da fehlt nur noch die Speisekarte". Johann ist begeistert: "Die Jutta kocht wie die Mama. Ich freu mich, wenn wir im neuen Kindergarten sind und immer warm essen." Lean ergänzt, "gemeinsames Essen ist schön, weil man da mit Freunden zusammensitzt, und die Jutta kocht".
Mit der Eröffnung des neuen Baus geht der Kindergarten St. Maria in dem Eltmanner Stadtteil Limbach einen besonderen Weg - es gibt individuelles und qualitätvolles Essen, denn es wird selbst gekocht. "Das eigene Essen mit einer eigenen Köchin" bezeichnet Kindergartenleiterin Ellen Steinhäuser beim "Probeessen" nun als das "Tüpfelchen auf dem i".

Caterer oder Tiefkühltruhe

Im Landkreis Haßberge bietet mehr als die Hälfte der Einrichtungen Mittagessen an. Der Großteil wird von Caterern beliefert; ein kleiner Teil nutzt Tiefkühlangebote. Die Alternative ist Kochen vor Ort. Dazu benötigt der Träger aber auch eine Küche - und eine Köchin.
Kindergarten, Trägerverein und Eltern hatten sich im Blick auf den Neubau in Limbach viele Gedanken gemacht. Nach einem ersten Probeessen "wollten die Eltern keinen Caterer mehr. Sie wollten ganz einfach, dass frisch im Kindergarten gekocht wird und es auch für die Kinder nach Essen riecht", berichtet Steinhäuser. Die Verantwortlichen stellten sich der Herausforderung, Kochmöglichkeiten zu planen, und das auch wirtschaftlich. Hilfe kam aus dem Landwirtschaftsamt Würzburg. Denn Limbach hatte sich als einer von fünf Kindergärten in Unterfranken für ein "Coaching-Projekt zur Optimierung des Essensangebotes" beworben. Fachangestellte Gwendolin Wagner gab da Hilfestellung, um das Mittagessen gesünder, schmackhafter und attraktiv zu gestalten. Und in Jutta Gundelach, die hier schon als Kinderpflegerin gearbeitet hat, fanden die Limbacher die ideale Besetzung für die Küche. Ein großes Glück. Schon früher hat Gundelach mit den Kindern "pädagogisch" gekocht. Bevor in den nächsten Wochen der neue Kindergarten in Besitz genommen wird, gab es nun für die Buben und Mädchen mit Erzieherinnen und Projektleiterinnen ein "Probeessen" .
Gwendolin Wagner hebt dabei die Bedeutung des warmen Essen für die Kinder hervor. Und sie unterstreicht: Buben und Mädchen bekommen einen Einblick in die Vorbereitung und die Tischkultur. Es gehe nämlich auch um die Vermittlung von Regeln, wie man sich am Tisch verhalte. Katharina Tschischka von der Kindergartenfachaufsicht des Landratsamtes Haßberge ergänzt, dass beim Mittagessen auch Essenskultur wichtig sei, die leider zunehmend verloren gehe.
Als die Kinder den Speiseraum betreten, verrät Ellen Steinhäuser: "Jutta Gundelach hat fleißig gearbeitet und euch etwas ganz Leckeres gekocht. Das ist ganz wichtig für unsere Ernährung, und ich hoffe, es schmeckt euch."
Erwartungsvoll setzen sich die Kinder an die mit Blumen und Servietten schön gedeckten Tische und zeigen den Gästen, dass sie sich viel mit dem Essen und Verhalten am Tisch beschäftigt haben. "Nicht mit dem Besteck auf den Tisch hauen und nicht schmatzen und mit vollem Mund sprechen", das weiß Fabio. "Auch nicht mit dem Besteck herumspielen oder mit den Fingern im Essen spielen", ergänzen Julius und Fabian. Und Max: "Auch das Messer nicht ablecken".
Dann wird es noch stiller. Es folgen ein kleines Gebet und ein ein paar Gedanken über das Essen. Fast alle stimmen ein: "Lieber kleiner Schmetterling, fliege nicht so schnell. Sag dem lieben Gott da oben, dass wir ihn fürs Essen loben." Alle wünschen sich "Guten Appetit". Fischstäbchen, Kartoffeln, Kräuterquark und dazu ein Rohkostteller - alles wird verputzt.
Die Verantwortlichen im Elternbeirat, Kerstin Klein, Vorsitzende Birgit Scholl und Kassiererin Gabi Fösel, hoffen, dass das Essen gebucht wird. Nach einem Probejahr wird neu entschieden.
Die Kinder haben schon einen Namen für ihre neue Einrichtung: "Kireli", "Kinder-Restaurant-Limbach". Dazu singen sie "Kireli, Kirela, Kirelo".