von unserem Redaktionsmitglied 
Rudolf Görtler

Bamberg — Eine "Sauce aus Schreien, Toben und Dauerwahngeflipptheit" wird im E.T.A.-Hoffmann-Theater nie oder sagen wir höchst selten angerührt. Diese kulinarische Metapher glaubte nämlich einer der führenden Theaterkritiker des Landes, Gerhard Stadelmeier, jüngst anwenden zu müssen, als er gegen die momentane Befindlichkeit auf deutschen Bühnen polemisierte.
Zitiert wurde der Kritiker gestern von Bambergs neuem Kulturreferenten Christian Lange, der zur Abschlussveranstaltung der aktuellen Spielzeit im Großen Haus des Bamberger Theaters sprach, wie es sein Amtsvorgänger auch immer tat. Denn ein Stadttheater wird nun einmal ökonomisch von der Stadt getragen und vom Kulturreferenten repräsentiert. Der auf die Spielzeit mit den Schwerpunkten Widerstand, Musik, Humor zurückblickte und die Teamleistung der Theaterleute lobte. Ein Indiz dieser Leistung sei, dass zum Ende der Spielzeit niemand das Ensemble verlasse. Womit er Intendant Rainer Lewandowski das Stichwort lieferte und ihn gleichzeitig vorwegnahm. Denn die Lobesworte, die Lewandowski für seine Mannschaft bereit hielt, mussten zur Wiederholung geraten. "Ja! Wir sind ein erfolgreicher Haufen!", klopfte der Intendant sich und dem Schauspiel-Ensemble verbal auf die Schultern, wobei er, was besonders zu loben ist, sonstige Mitarbeiter in welchen Abteilungen auch immer nicht vergaß. Bekanntlich wird die kommende Spielzeit Lewandowskis letzte sein. Seit 1989 wirkt er am Bamberger Theater und wird es 2015 für den Ruhestand verlassen. Seine Nachfolgerin wird Sibylle Broll-Pape, die bereits einen neuen Chefdramaturgen, Remsi Al Khalisi, ab der Spielzeit 2015/16 angekündigt hat. Wie es heißt, will sie auch einen Großteil des Ensembles austauschen, was allerdings bei einem Intendantenwechsel so ungewöhnlich nicht ist.
So weit ist es allerdings noch nicht, und der amtierende Intendant konnte die Leistungen der "Abteilungen und Individuen" rühmen, denen neben ihrem Kerngeschäft noch viele andere Aufgaben oblägen. "Ihr alle habt enorme Fortschritte gemacht in den Jahren eures Zusammenspiels!", sagte Lewandowski, den Begriff "Pflanzschule" aus der Schillerzeit verwendend.
Konkreter wurde es bei der Präsentation der Auslastungszahlen, die im langjährigen Mittel liegen. Und das ist sehr gut: 84 Prozent der Plätze waren im Schnitt belegt, und das bei dem Manko, dass Plätze auf dem Zweiten Rang des Großen Hauses sich kaum verkaufen. Spitzenreiter waren "Rapunzel" (93), "Charleys Tante" (89) und "Edith Piaf" (87), im Studio die "Weiße Rose" (98). Im Treff erreichten gleich vier Produktionen die 100-Prozent-Marke, die Calderón-Spiele liegen bereits bei 96. Was wenig überrascht: Das Sperrigere, Schwierigere verkauft sich zäher: "Der einsame Weg" (60), "Mastromas" im Studio, das die FT-Kritik für das beste Stück der Spielzeit hielt, 80. Viel Fingerspitzengefühl von Intendanz und Dramaturgie sind eben gefordert, einen Spielplan zusammenzustellen, der Kunst und Kommerz gleichermaßen gerecht wird.