Manfred P. (Name geändert) arbeitet seit über vier Jahren im "Bistro Vielfalt" der gfi. Der 45-Jährige kommt viermal pro Woche für zweieinhalb Stunden und ist dafür zuständig, dass die Getränke- und Snackautomaten immer gut gefüllt sind. Danach kümmert er sich um die Zimmerpflanzen. Beides macht ihm Spaß und Manfred ist froh, dass er im Bistro eine Arbeitsgelegenheit gefunden hat, die genau zu ihm passt.

Seit Juli 2013 betreibt die Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi) am Standort Bamberg das Zuverdienstprojekt "Bistro Vielfalt". Mit vier Mitarbeitern und aktuell fünf "Zuverdienern" versorgt das Bistro die Mitarbeiter von bfz und gfi sowie die Teilnehmer der verschiedenen Bildungsangebote im Haus mit frisch gekochtem, gesundem Essen.

Unter der fachlichen Anleitung der hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin Eva Henkel sowie den Hauswirtschafterinnen Waltraud Dippacher und Silke Maislein arbeiten hier Menschen mit einer seelischen Behinderung, die eine Erwerbsminderungs- oder Berufsunfähigkeitsrente beziehen. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt maximal vierzehn Stunden. Die Arbeitsorganisation wird an die jeweiligen Fähigkeiten und Handicaps der Mitarbeiter angepasst, damit jeder einen sinnvollen Beitrag leisten kann. "Der Service ist nichts für mich", meint Manfred, "da werde ich schnell nervös. Ich bleibe lieber im Hintergrund und sorge dafür, dass mit den Automaten alles passt."

Pause, wenn es notwendig ist

Manfred ist gelernter Bürokaufmann. Vor seiner Erkrankung arbeitete er in der Verwaltung eines Industriebetriebes. Das ist für ihn jetzt nicht mehr machbar. Es fehlt an Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit. Deshalb bekommt er auch eine Erwerbsminderungsrente. Aber nur zu Hause herumsitzen will er nicht und so ist er froh, dass er im Bistro mitarbeiten kann. "Das geht aber nur, weil ich mir meine Zeit frei einteilen und auch mal zwischendurch Pause machen kann, wenn es notwendig ist."

Dass es möglich ist, auf individuelle Stärken und Schwächen Rücksicht zu nehmen und entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, liegt auch an der Projektförderung durch den Bezirk Oberfranken, der solche sogenannten Arbeitsgelegenheiten für Menschen, die nicht mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten können, unterstützt.

Hilfreich ist für Manfred auch der Fachpsychologische Dienst im Haus, den er bei Bedarf nutzen kann. Diplom-Psychologin Yasemin Stussig bietet regelmäßige Gesprächstermine an, in denen alles besprochen werden kann, was gerade ansteht. "Manchmal geht es um schwierige Situationen, für die wir gemeinsam Handlungsstrategien entwickeln, manchmal auch um private Probleme, für die eine Lösung erarbeitet wird", beschreibt Stussig ihre Aufgabe. Wichtig sei ein wertschätzender Umgang miteinander.

Bei Bedarf unterstützen die Bistro-Mitarbeiter auch den Hausmeister bei der Pflege der Außenanlagen oder kleineren Reparaturen.

Durch die Tätigkeit im "Bistro Vielfalt" bekommt der Tag für die Mitarbeiter wieder Struktur. Sie sind in ein kleines Team eingebunden und das tägliche gemeinsame Mittagessen hat einen hohen Stellenwert für das soziale Miteinander. Durch die sinnvolle Aufgabe und die Anerkennung von Kollegen und Kunden stabilisiert sich in der Regel auch der gesundheitliche Zustand und die Lebenszufriedenheit steigt. Projektleiterin Julia Anders ist zufrieden mit den bisherigen Erfahrungen: "Es ist schön zu sehen, wie positiv sich die meisten Zuverdiener entwickeln, manche schaffen sogar den Schritt wieder zurück in den ersten Arbeitsmarkt." red