H alleluja, Jesus lebt! Diese Botschaft der Hoffnung wird in dieser Nacht in vielen Kirchen Einzug halten. Diese österliche Freude, die alle Christen in der Gegenwart des Auferstandenen und im Zeichen der brennenden Osterkerze feiern, möge die Herzen der Menschen erreichen. Das ist der größte Segen von
Ostern!
Liebe Leserinnen und Leser, die Frage steht jedoch für jeden einzelnen im Raum: Was bedeutet Ostern für mich? Ist Ostern auch für mich der absolute Durchbruch, der meine Seele und mein Gemüt berührt? Glaube ich an die Auferstehung nach dem Tod und an ein neues Leben, so wie die Natur in wunderbaren Farben in einem neuen Glanz erblüht?
Schließlich feiern wir Ostern nicht nur in dieser Nacht. Ostern geht weiter. Ostern ist der einzig wahre Weg, der uns Zukunft und Licht in all den persönlichen Zweifeln, Dunkelheiten und Sorgen schenkt!
In den Evangelien hören wir, wie die Jünger auch in manchen Fragen, in gewisser Trostlosigkeit und Enttäuschungen leben, ehe ihnen der Auferstandene in den unterschiedlichsten Situationen neu begegnet.
Oft erkennen ihn die Jünger zuerst nicht und erst als er ihnen mit einem Zeichen seine Gegenwart erfahren lässt, gehen ihnen die Augen auf und sie spüren wirklich: "Es ist der Herr!"
Für mich ist der Stein ein besonderes Ostersymbol. Schließlich liegen trotz Osterstimmung auf den Herzen vieler Menschen so manche Steine, die einfach nicht wegrollen wollen. Es sind die Menschen, die in diesen Tagen viel Trauriges erleben, die großen Kummer haben, die Angst haben vor der Zukunft. Denken wir doch nur an die Bilder aus Kriegsgebieten, die wir jeden Tag im Fernsehen sehen, oder an verzweifelten Familien nach schrecklichen Unglücksfällen und der Frage nach dem "Warum?"
Im Osterevangelium hören wir, dass der Stein vom Grab plötzlich weggerollt ist und somit Licht und eine neue Zukunft schafft. Dieses Gefühl, dass der Stein weg ist, sind die wahren Ostererlebnisse, nach denen sich so viele sehnen.
Ich freue mich deshalb über so manche Ostererfahrung und "gelöste Begegnungen" in den Augen von verzweifelten, kranken und alten Menschen. Wenn sie plötzlich deutlich erfahren: Ja, Gott ist bei mir. Gott hält mich fest. Er lebt auch in mir! Ich erlebe Osterbegegnungen bei manchen tiefen Gesprächen, Gebeten oder Kommunionfeiern im Krankenhaus oder im Altenheim. Genau in dieser Situation ist der auferstandene Herr hautnah unter uns.


Mitten unter uns

Ich wünsche Ihnen deshalb, mitten hinein in den von Licht und Dunkelheit geprägten Alltag, immer wieder ein aufbauendes Wort oder eine gesegnete Begegnung, wo Sie im Herzen erkennen, dass Ostern weiter geht, dass der Auferstandene wirklich lebt - und zwar mitten unter und in uns.
Es gilt nur, ihn immer wieder neu zu entdecken und wie Maria von Magdala und die Jünger zu bekennen: "Es ist der Herr - er ist wahrhaft auferstanden - Halleluja."

(Manfred Griebel ist Krankenhausseelsorger und Diakon in der Pfarrei Sankt Kilian Haßfurt).