Wort zum Sonntag für den 1. November

F riedhofsgänge und Gräberbesuche finden allen Ortens recht großen Zuspruch. Diese fallen auch in diesem Jahr nicht aus - zumindest nicht zwingend.

Zurzeit überschlagen sich die Meldungen wieder. Am vergangenen Mittwoch wurde ein erneuter Teil-Lockdown ausgerufen - bundesweit ab Montag. Öffentliche Treffen sind in unserem Landkreis seit vergangenem Donnerstag nur noch mit fünf Personen aus maximal zwei Haushalten erlaubt, ab Montag schließen Gaststätten und verschiedene weitere Einrichtungen. Eine große Verunsicherung macht sich breit.

Gottesdienste und Treffen mit einem klar umgrenzten Personenkreis sind aber - bei Vorliegen eines schlüssigen Hygienekonzeptes - weiterhin möglich. Es besteht jetzt zwar "Masken-Pflicht" auch in den Bänken, und Gesang ist nicht mehr möglich - außer durch eine/n Kantor/in. Doch auch allein die Orgeln und Instrumentalstücke können eine feierliche Atmosphäre entstehen lassen.

Viele Gemeinden haben schon vor einiger Zeit die öffentlichen Gräbersegnungen abgesagt, da hier die Abstandsregeln nicht hätten eingehalten werden können; seit Mittwoch, als wir den Inzidenzwert von 50 überschritten haben, war es nun sicher, dass sie nicht öffentlich und gemeinsam stattfinden können - doch müssen die Friedhofsgänge und Gräberbesuche deshalb ausfallen?

In vielen Gemeinden wurden Gebetshefte und Impulse für einen persönlichen Gräberbesuch oder - gerade für ältere Gemeindemitglieder - für das Gebet zu Hause - vorbereitet. Meist werden sie in Kirchen oder Friedhöfen ausgelegt oder auch online gestellt. Mancherorts wird auch Weihwasser gesegnet - für den privaten Gebrauch zu Hause oder am Grab.

Friedhofsgänge und Gräberbesuche müssen also nicht ausfallen.

Doch was macht den Besuch am Grab aus? Ist es "nur" das Beisammensein mit vielen Verwandten und Bekannten? Das gemeinsame Gebet, zumeist begleitet durch feierliche Blasmusik?

Das Wichtigste, das Entscheidende ist doch unser Gedenken an unsere Verstorbenen, unser Gebet am Grab, unser Erinnern an sie. Wir dürfen sie Gott anvertrauen und ihm unsere Anliegen hinhalten; unsere Anliegen "in Worte fassen" - laut oder auch "nur" leise.

Der Allerseelentag legt auf einen festen Tag, was bei uns zu Hause noch Woche für Woche ganz selbstverständlich ist: Man besucht vor oder nach dem Gottesdienst das Grab der Angehörigen, betet kurz und besprengt evtl. das Grab mit Weihwasser. Sofern man - gerade im Sommer - nicht ohnehin schon mehrfach am Grab war, gießt man es oder pflegt die Pflanzen darauf. Auch diese ganz praktischen Dinge sind ein Gedenken und eine Ehrung der Toten. Ein schön bepflanztes und gepflegtes Grab sagt doch auch: Die Menschen, die darin beigesetzt sind, sind nicht vergessen. Sie leben weiter in uns und unseren Erinnerungen.

So möchte ich Sie alle einladen, das Grab Ihrer Angehörigen auch in diesem Jahr zu besuchen, die Erinnerung an sie wach zu halten und ihrer zu gedenken. Dabei dürfen wir Gott auch unsere Anliegen, unsere Trauer, unsere Fragen oder manchmal vielleicht sogar eine gewisse Wut oder Enttäuschung hinhalten und ihn um seine Unterstützung zu bitten.

Friedhofsgänge und Gräberbesuche fallen auch in diesem Jahr nicht aus - zumindest liegt es an uns selbst, ob dies so ist.

P. Rudolf Götz OSA Seelsorger in Münnerstadt