Medien; noch kurz vor der Jahrtausendwende waren damit das Radio, die Zeitung und das Fernsehen gemeint. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen und etablierte sich mit kleinen Schritten. Mittlerweile galoppiert der digitale Fortschritt durch unseren Alltag und hat unser Verständnis von Medien neu definiert. Sogenannte Soziale Medien haben Hochkonjunktur – nicht nur bei jungen Menschen. Waren es vor 15 Jahren nur das Studi- oder SchülerVZ, ist die Bandbreite heute wesentlich größer: Facebook, Snapchat, Instagram und TikTok sind wohl die aktuell bekanntesten sozialen Netzwerke. Sie dienen den "Usern" zu Kommunikations-, Unterhaltungs-, Informations- und Organisationszwecken. Man verpasst also nichts, ist gut informiert, spannend unterhalten und immer am Puls der Zeit. Also alles gut – oder etwa doch nicht? Der oft diskutierte Sprachverfall durch virtuelle "Gespräche" und das manchmal fragwürdige Niveau des Unterhaltungsangebots im Netz soll an dieser Stelle gar nicht diskutiert werden. Auch heikle Themen, wie die Verbreitung von Fakenews, Cybermobbing und der oftmals fehlende Schutz personenbezogener Daten sind hier nicht das Thema. Die generelle Daseinsberechtigung von Sozialen Medien soll auch nicht infrage gestellt werden. Die Fragen, die sich der Verfasser dieser Zeilen in Sache Facebook & Co. stellt, sind wahrscheinlich banal – drängen sich aber dennoch auf, denn: Ist es normal, sein Essen zu fotografieren und es zu posten, bevor man zum Besteck greift? Ist es normal, dass fünf Menschen an einem Tisch sitzen und sich nicht unterhalten, weil sie alle auf ihren Mobiltelefonen herumdaddeln. Ist es normal, dass Profilfotos derart bearbeitet werden, dass man meinen könnte, es liefen nur noch Topmodels durch die Gegend? Ist es normal, 500 Personen in seiner virtuellen Freundesliste zu haben, aber kaum wen zu finden, der beim Umzug hilft? Ist es normal, dass bei einem Konzert der Blick auf die Bühne von einem Meer aus filmenden Handys verdeckt wird, nur um tags darauf verwackelte Videoausschnitte auf Facebook sehen zu können? Ist es normal, dass sich die Anzahl der empfangenen Geburtstagsglückwünsche um ein Vielfaches reduziert, sobald sich jemand aus den sozialen Netzwerken abgemeldet hat? Und zu guter Letzt: Ist es wirklich normal, dass Menschen abertausende Stunden ihrer kostbaren Lebenszeit damit verbringen, auf einen kleinen Bildschirm zu starren und gelegentlich ein paar Knöpfe zu drücken? Welche spannenden Geschichten werden sie eines Tages ihren Enkeln erzählen? Wer wann und weshalb auf Facebook einen Shitstorm geerntet hat? Welches Skandalfoto auf Instagram für Furore sorgte? Oder wer die meisten "Follower" dort hatte? Wenn all das normal sein soll, dann lobe ich mir jeden Menschen, der es bevorzugt, in derlei Belangen abnormal zu sein!

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