Dass Senioreneinrichtungen und Kliniken unter einem Mangel an Pflegekräften leiden, ist weithin bekannt. Winfried Wiendl, Gründer der Pflegedank-Stiftung will versuchen, daran zumindest in unserer Region etwas zu ändern. In Absprache mit der Schulrätin Cornelia Krodel und den Rektoren der Mittelschulen im Landkreis Bad Kissingen organisierte er Vorträge in den 8. und 9. Klassen der Mittelschulen im Landkreis Bad Kissingen. Mit zwei Teams, bestehend aus jeweils zwei dienstjungen Pflegekräften, ihm und seinem Golffreund Wolfgang Jantzer, der sich in der Stiftung ehrenamtlich engagiert, haben die beiden Teams bereits fast alle Mittelschulen besucht und wichtige Aufklärung zum Beruf der examinierten Pflegefachkraft betrieben.

Zuletzt hatten sie sich in der Anton-Kliegl-Mittelschule in Bad Kissingen angemeldet. Mit Konrektorin Ellen Erhard wurde der Termin abgestimmt und um 7.45 Uhr waren Winfried Wiendl, Annelie Becher und Nik Rottler vor Ort. Ziel sei es, über Bedingungen, Dauer, Inhalte, Einkommen und Karrieremöglichkeiten der generalistischen Ausbildung zur examinierten Pflegefachkraft zu informieren, so Winfried Wiendl.

Dann stellten sich Annelie Becher und Nik Rottler vor und berichteten, was sie veranlasst hat, diesen Beruf zu wählen, wo sie sich informiert haben, was ihnen heute im 2. Ausbildungsjahr gefällt und auch was weniger schön ist. Sie berichteten darüber, wie interessant ihr Alltag aussieht. "Für viele Bewohner unserer Einrichtung sind wir Pflegekräfte für Wundmanagement, für Medikamentenversorgung, für Umbettungen, für Gespräche, für Zeitvertreib und so weiter und nicht nur, wie oft vermutet, für die Körperpflege verantwortlich", so Annelie Becher. Nik Rottler, der erst eine Ausbildung bei der Polizei begonnen hatte, diese abbrach und in der Pflege seinen Traumberuf gefunden hat, schwärmte, wie schön es ist, mit einem Danke oder nur einem Lächeln Feedback zu bekommen und wie erfüllend es sei, für diese Seniorinnen und Senioren für die nächsten Monate oder Jahre sich als einer der wichtigsten Menschen in deren Leben fühlen zu können.

Viele Jugendliche staunten, als Winfried Wiendl erklärte, dass es früher unterschiedliche Ausbildungsinhalte für Pflegekräfte in Kliniken, im Altersheim, in Kinderkliniken und weiteren Spezialgebieten gab. Seit einem Jahr sind diese Ausbildungsinhalte zusammengefasst in der generalistischen Ausbildung. Drei Jahre lang erhalten die Auszubildenden als Blockunterricht Einblick in allen Einsatzgebieten der Pflege und können sich erst nach Abschluss der Prüfung entscheiden, ob sie künftig in einem Krankenhaus, in einer Senioreneinrichtung, in einer Kinderstation oder im sozialen Dienst arbeiten wollen.

Auszubildende würden zwischen 1000 und 1300 Euro brutto und eine ausgelernte examinierte Pflegefachkraft mit 20 Jahren würde zwischen 2800 und 3200 Euro brutto verdienen, informierte Winfried Wiendl. Leider werde in den Medien oft, so Winfried Wiendl, "über die geringe Honorierung der Pflegekräfte gesprochen". Dies sei einerseits falsch und andererseits würde eine Einkommenserhöhung natürlich von jeder Pflegekraft gerne angenommen, würde aber das eigentliche Problem in der Pflege nicht lösen. Er schilderte, dass Verantwortliche in Pflegeeinrichtungen ihm immer wieder berichten, dass ihre Pflegekräfte, wenn sie zwischen einer Einkommenserhöhung und eine Erhöhung des Personalschlüssels wählen könnten, sich mehr darüber freuen würden, wenn Neueinstellungen umzusetzen wären.

Winfried Wiendl bot an, dass er über Sekretariat interessierten Schülerinnen und Schülern Unterlagen wie Schul-, Arbeitgeberverzeichnisse sowie Bewerbungsunterlagen zukommen lassen könnte. Die von Winfried Wiendl 2018 gegründete Pflegedank-Stiftung (www.pflegedank-stiftung.de) hofft, mit diesen Vorträgen in 26 Mittelschulklassen im Landkreis Bad Kissingen, den in 2020 gehaltenen 18 Vorträgen im Landkreis Haßberge und den im Herbst geplanten Vorträgen in den Mittelschulen des Landkreises Schweinfurt das Interessen bei Schülerinnen und Schülern, die unmittelbar vor einer Berufswahl stehen, erhöhen zu können. Denn das sei dringend notwendig. red