Diese Corona-Saison ist schon verflixt: Jetzt, wo es allen Beteiligten wieder richtig Spaß zu machen scheint, neigt sich die Mammut-Spielzeit in der 1. Handball-Bundesliga dem Ende entgegen. Nur noch vier Spiele hat der HSC Coburg zu bestreiten. Das erste davon am Mittwochabend ab 19 Uhr in Leipzig.

Gegen den Bergischen HC (Samstag, 19. Juni) und Essen (Sonntag, 27. Juni) darf der Bundesliga-Absteiger dann aber auch noch zweimal in der HUK-Arena ran, womöglich sogar vor bis zu 1000 Zuschauern. Wenn das Infektionsgeschehen nämlich mitspielt, könnte jeder dritte Platz im Sporttempel wieder besetzt werden. Nach 450 Fans gegen Balingen und 505 gegen Lemgo wären doppelt so viele Zuschauer ein würdiger Rahmen.

Begeisterung ist spürbar

Egal ob den Spielern oder Trainern, auch den Offiziellen, Wischern, Zeitnehmern und Hallensprechern war am Sonntag förmlich die Freude anzumerken, endlich wieder vor Zuschauern spielen oder arbeiten zu dürfen. Hallensprecher Thomas Apfel zur Atmosphäre in de HUK-Arena: "Es ist für alle etwas ganz anders. So macht es wieder Spaß, nicht nur uns, vor allem den Spielern. Wer weiß, wie die Saison mit Fans gelaufen wäre."

Ob es für "Gelb-Schwarz" allerdings bei anderen äußeren Bedingungen tatsächlich zum Klassenerhalt gereicht hätte, muss bezweifelt werden. Die Qualität der Mannschaft reicht jedenfalls nicht, um bis zum Schluss konkurrenzfähig zu sein. Mit dem SC DHfK Leipzig wartet nun ein "Angstgegner" auf die Vestestädter, die in fünf Vergleichen mit den Sachsen bisher noch keinen einzigen Punkt holten.

Mit 38:30 Zählern stehen die Leipziger so gut wie noch nie nach 34 Spieltagen. Zum Vergleich: In der Spielzeit 2017/18 hatte der DHfK mit 37:31 Punkte den achten Platz erobert. Allerdings lässt sich darüber streiten, inwiefern die aktuelle Saison mit Corona-Maßnahmen, ausbleibenden Zuschauern, Spielverlegungen und 20 Teams überhaupt mit den vergangenen Jahren vergleichbar ist.

Mraz: "Verdienter Sieg des Pokalsiegers"

Von solchen Bilanzen kann das aktuelle HSC-Team nur träumen. Trainer Alois Mraz: "Natürlich war für uns in dieser Saison mehr möglich. Fast in jedem Spiel hatten wir unsere Chancen, aber auch immer wieder Schwächephasen", bilanziert der Tscheche nüchtern. Mit der Anfangsphase am Sonntag gegen Lemgo war er hochzufrieden, doch seine Spieler konnten das starke Niveau aus den ersten 15 Minuten nicht halten, und Lemgo hätte danach viele Fehler gnadenlos bestraft. Der Sieg des deutschen Pokalsiegers sei dann natürlich auch verdient gewesen. Auch Geschäftsführer Jan Gorr, der nach wie vor von der Bank aus Impulse gibt und sich immer wieder mit Mraz austauscht und in Auszeiten mit einbringt, ist ein Stück weit enttäuscht. Ein Großteil der HSC-Spieler könnten seiner Meinung nach schon auf diesem hohen Level mithalten, zeigen auch durchaus erstliga-taugliche Leistungen, doch die Kadertiefe sei zu dünn. Außerdem fehle dem Team die Konstanz.

Erste Punkt gegen Leipzig überhaupt?

Doch der Blick der beiden sportlich verantwortlichen Funktionäre geht schon wieder nach vorne: Beim klaren Favoriten in Leipzig soll das Team um Kapitän Andreas Schröder wieder befreit aufspielen, Elan und Esprit zeigen wie zu Beginn gegen Lemgo. Wenn ihre Spieler dieses Niveau dann auch einmal über eine längeren Zeitraum halten können und in der Crunchtime das nötige Glück erzwingen, liegt bei den Sachsen eine faustdicke Überraschung durchaus im Bereich des Möglichen.

Ein Sieg wäre jedenfalls noch einmal beste Werbung für die beiden ausstehenden Heimspiele, schließlich will der HSC die dann erlaubte Zuschauer-Auslastung auch erreichen, um mit jeweils 1000 Handballfreunden einen würdigen Schlussstrich unter diese verflixte Corona-Saison ziehen zu können.

Das Aufgebot

HSC 2000 Coburg: Poltrum / Kulhanek - Pouya, Varvne (?), Sproß, Kelm, Nenadic, Billek, Mustafic, Zetterman, Schikora, Zeman, Grozdanic, Schröder, Neuhold - Es fehlen: Knauer (verletzt), Kurch (Aufbautraining), Preller (2. Mannschaft) - Trainer: Alois Mraz.