Die Peter-Moll-Halle ist festlich geschmückt, es duftet nach frischem Kaffee und Plätzchen. Bis auf den letzten Platz ist die Turnhalle mit gespannten Zuschauern gefüllt. Der große Vorhang öffnet sich endlich und die jüngsten Turner führen einen Tanz vor.

Etwa so beginnt seit nun mehr als 60 Jahren traditionell am ersten Samstag im Dezember das Nikolausturnen beim TSV Staffelstein. Nur in diesem Jahr macht die Corona-Pandemie den Turnern einen Strich durch die Rechnung. "Dieses Jahr ist wie für jeden eben kein normales Jahr. Wir dürfen aufgrund der Pandemie seit März keinen gewohnten Übungsbetrieb stattfinden lassen", sagt Ulrich Herbst, der Abteilungsleiter. Sicherlich verfolgen die Übungsleiter immer wieder die Nachrichten und wägen aufs Neue ab, wie und wann sie ihre Turnstunden abhalten dürfen. Lediglich im September erlaubten es die Lockerungen, dass kurzzeitig zu einem einigermaßen normalen Übungsbetrieb zurückgekehrt werden konnte. "Es war ein größerer Organisationsaufwand, die Kinder mussten Masken tragen, wir mussten regelmäßig Lüften und Anwesenheitslisten führen, außerdem teilte ich die Gruppen neu ein, um zu vermeiden, dass zu viele Kinder gleichzeitig in der Turnhalle sind. Einerseits war es mir wichtig, den Kindern wieder ihren Sport zu ermöglichen, andererseits übernahm ich auch die Verantwortung, dass sich in meiner Turnstunde niemand ansteckt", erklärt Julia Schäfer, die Trainerin im Mädchenturnen ist.

Nachdem die Ehrenamtlichen das Jahr 2020 mit seinen vielen Schwierigkeiten für den TSV Revue passieren ließen, berichtet der Abteilungsleiter Ulrich Herbst nun wieder mit einem Lächeln auf den Lippen: "Große geschichtliche Ereignisse prägten in der Vergangenheit immer wieder auch das Vereinsleben beim TSV, aber die Turner-Weihnacht musste seit 1958 bis heute noch nie abgesagt werden!" Mauerbau, Mauerfall und die Wiedervereinigung, aber auch die Entstehung des Farbfernsehens und die Einführung des Euros spiegelte sich immer auch im Turnverein wider. Anni Herbst erinnert sich zum Beispiel noch genau, als bei der Einführung des Euros diskutiert wurde, wie hoch nun der Eintrittspreis für das Nikolausturnen sein sollte. Familie Herbst ist seit Generationen mit viel Freude und Hingabe dabei. Oberturnwart Lorenz Herbst initiierte 1956 die Turner-Weihnacht, die mit einem kleinen Elternabend begann. Dessen Sohn Heinz Herbst führte mit seiner Frau Anni Herbst diese schöne Tradition dann weiter. red