"Rufen Sie sie an. Sie muss in Quarantäne."

Helmut Herrmann hat einen Bürger am Telefon, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Gerade geht es um die Kontaktpersonen. "Sie bekommen jetzt von mir per E-Mail ein Dokument. Da Sie keine Symptome haben, machen Sie sich bitte Gedanken, zu wem Sie seit zwei Tagen vor ihrem Abstrich engeren Kontakt hatten. Enger heißt, mit wem Sie beispielsweise länger als 15 Minuten ohne Maske beieinander waren, oder mit Maske länger als 30 Minuten in einem Raum. Tragen Sie die Personen bitte in die Liste ein und schicken diese dann, vollständig ausgefüllt, so schnell wie möglich zurück."

Ein paar Meter weiter fragt eine Kollegin gerade die Daten einer weiteren infizierten Person ab: "Wann fingen die Symptome denn an?" "Haben Sie Vorerkrankungen?" Die ältere Dame am anderen Ende der Leitung hat scheinbar keine E-Mail-Adresse. Deshalb müssen die Daten ihrer Kontaktpersonen direkt abgefragt und aufgenommen werden. Das Gespräch dauert also etwas länger als das von Helmut Herrmann.

Freiwillig gemeldet

Helmut Herrmann arbeitet eigentlich beim Zoll, er hat sich freiwillig gemeldet, das Gesundheitsamt Coburg bei der Bewältigung der Pandemie zu unterstützen. "Manche Gespräche dauern zehn Minuten. Gerade bei jüngeren Menschen, die auch eine E-Mail-Adresse haben, an die wir die Isolationsbescheinigung und die anderen Dokumente, wie zum Beispiel die Liste zur Kontaktpersonenermittlung, schicken können. Bei älteren Menschen, die digital nicht so affin sind, kann so ein Gespräch schon mal mehr als 45 Minuten dauern." Ganz klar: Die Personen am anderen Ende der Leitung haben Fragen, müssen überlegen, zu wem sie ab 48 Stunden vor ihrem Abstrich beziehungsweise vor Symptombeginn Kontakt hatten.

Die Mitarbeiter im Contact-Tracing-Team des Gesundheitsamtes sind vieles: Ermittler, Zuhörer, Ratgeber. Sie versuchen Ängste zu nehmen und gleichzeitig weitere Infektionen zu verhindern, indem sie versuchen, so schnell wie möglich an die Kontaktpersonen der infizierten Personen zu kommen.

"Die Betreuung der Indexfälle und die Kontaktermittlungen machen tatsächlich seit Monaten den Großteil unserer Arbeit aus", erklärt Dr. Roswitha Gradl, Leiterin des Gesundheitsamtes Coburg. Im sogenannten Contact-Tracing-Team läuft die Arbeit nach einem Kreislauf-System (siehe Infokasten).

Immer neue Regelungen

Die Kontaktpersonen sind in der Regel für 14 Tage ab dem letzten Kontakt zur positiv getesteten Person in Quarantäne. Mit negativen PCR-Tests kann die Quarantäne frühestens am 10. Tag enden. Ausgenommen hierbei sind Haushaltsmitglieder. Das war nicht von Anfang an so. "Immer wieder gibt es neue Regelungen, die dann natürlich auch an die Teams und von diesen wiederum an die betroffenen Personen richtig kommuniziert werden müssen", beschreibt Dr. Gradl.

Und dann sind da auch noch die Kontaktpersonen, die in einem anderen Landkreis wohnen. Die müssen an das dortige Gesundheitsamt weitergeleitet werden. Und umgekehrt.

"Wir machen eigentlich nur noch Corona", sagt Dr. Roswitha Gradl. Ihr Lächeln wirkt erschöpft, aber zuversichtlich. "Und das seit einem Jahr, sieben Tage die Woche. Wir tun, was wir können. Jeder gibt sein Bestes, um so schnell wie möglich Kontakte zu ermitteln und Infektionsketten zu unterbrechen." Landrat Sebastian Straubel: "Der Einsatz ist wirklich außergewöhnlich und sicher auch belastend. Alle miteinander leisten einen unermüdlichen Beitrag zur Eindämmung des Infektionsgeschehens und dafür sage ich auch wirklich von Herzen Danke."

Wut auf Leugner und Motzer

Motz-Kommentare in sozialen Netzwerken, Gerüchte, Corona-Leugner - dafür gibt es nicht nur für Kopfschütteln im Gesundheitsamt. Auch Wut: "Wir arbeiten hier wirklich bis an die Belastungsgrenze. Wir machen das gerne. Ich habe mich freiwillig gemeldet, weil ich einen Beitrag zur Bewältigung dieser Pandemie leisten möchte", sagt eine Mitarbeiterin. "Dann ärgert es mich, dass es immer noch Leute gibt, die das Ganze nicht so ernst nehmen oder die Verantwortung zur Eindämmung ausschließlich bei uns sehen. Jeder kann einen Beitrag leisten.