Die USA haben einen neuen Präsidenten - und das wird auch die Coburger Wirtschaft merken, sagt IHK-Präsident Friedrich Herdan zum Ausgang der Wahl.

"Die Vereinigten Staaten sind nach Europa äußerst bedeutend für unsere Coburger Wirtschaft, insbesondere für die Branchen Automotive, Maschinenbau, Elektrotechnik und Gebrauchsgüter", sagte Herdan. Selbst in Zeiten protektionistischer Tendenzen seien die Wirtschaftsbeziehungen über viele Jahre gewachsen. Welche Schwerpunkte die US-Wirtschaft unter Joe Biden setzen werde, bleibe zwar abzuwarten, aber der Demokrat habe sich im Wahlkampf mit versöhnlicheren Gesten gegenüber Europa präsentiert. Jetzt zähle kurzfristig die baldige und eindeutige Klarheit über das Wahlergebnis, denn: "Unsicherheit ist immer Gift für die Wirtschaft."

Die Trump-Seite hatte auch gestern den Sieg von Joe Biden immer noch nicht anerkannt und mit vielen Klagen gegen das Wahlergebnis gedroht. Große Coburger Unternehmen sind in vielen US-Bundesstaaten vertreten, Brose alleine in Michigan, South Carolina, Alabama, Illinois und Kalifornien, Kaeser in Virginia oder Waldrich in Pennsylvania.

Herdan: "Gerade in der jetzigen Phase des weltweiten Wirtschaftsabschwungs, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, ist es wichtig, Spannungen und Hürden auf den Weltmärkten wieder zurückzufahren." Protektionismus sei keine Lösung für eine komplexe und globalisierte Welt.

Die zentrale Aufgabe der nächsten Jahre werde darin bestehen, aufeinander zuzugehen um wieder Vertrauen aufzubauen - und weitere Einschränkungen von Freihandel und Multilateralismus abzubauen.

Laut Herdan müsse dabei aber auch Europa selbst mehr Verantwortung übernehmen, in der Wirtschafts-, aber auch in der Außen- und Sicherheitspolitik. Herdan: "Mit Joe Biden als Präsident rechne ich damit, dass handelspolitische Probleme mit den USA zwar vorerst weiter bestehen, allerdings doch wohl weniger konfliktträchtig, mit anderem Ton und Stil, ausgetragen werden.

Auch für ganz Bayern hofft die Wirtschaft, genau wie Coburgs IHK-Präsident, auf Entspannung - auch wenn nicht auf einmal alles rosarot sein wird. Die USA seien laut Mittelstandsverband BVMW Bayern größter Absatzmarkt für Exporte aus Bayern.

Aber auch Biden werde eher für eine protektionistische Handelspolitik stehen. "Auf eine komplette Abkehr von Strafzöllen und Handelskonflikten ist erstmal nicht zu hoffen", sagte Achim von Michel, der Landesbeauftragte für Politik, der dpa. Doch man sei optimistisch, dass die Zeichen wieder auf Kooperation stünden. red