"Unterschiedliche Muster der Knorpelmineralisation bei den Kehlkopfknorpeln von Mensch, Schwein und Rind " lautete der Titel des Aufsatzes, den die Anatomische Gesellschaft mit dem "Paper of the Year Award" gewürdigt hat. Horst Claassen hatte das Papier in diesem Jahr im Journal of Histochemistry & Cyochemistry, Band 65, veröffentlicht. Der gebürtige Coburger, der im September 65 Jahre alt wurde, forscht und lehrt am Institut für Anatomie und Zellbiologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.


Kristalle im Kehlkopf

Für seine Forschung hatte Claassen verglichen, wie sich die Alterungsprozesse am Kehlkopf bei Rindern, Schweinen und Menschen auswirken. Bei allen dreien findet die sogenannte Mineralisation statt, zu deutsch: Verkalkung. Ein Befund: Nur beim Schwein, und dort nur im Schildknorpel des Kehlkopfes, wurden zwei Wege der Knorpelmineralisierung gefunden: Im Rahmen des ersten Weges reifen in von Knorpelzellen abgegebenen, Seifenblasen ähnelnden Vesikeln Apatitkristalle heran, deren Ablagerung die Knorpelmineralisation auslöst. Sogenannte Kollagenfibrillen werden als Leitschienen für den zweiten Weg der Knorpelmineralisation, der mehr einer Reifung mineralisierter Knorpelareale dient, benutzt.
"Aufgrund der Kalkeinlagerungen versteift ein Knorpel. Eine Verknöcherung kann zusätzlich eintreten", erläutert Horst Claassen. Beim Kehlkopfskelett trägt die Mineralisation des Knorpels neben anderen Parametern zur Alterung der Stimme bei. "Interessant ist, dass der Schildknorpel als größter Knorpel des Kehlkopfskeletts bei Schweinen und Rindern nur mineralisiert, aber kaum verknöchert. Beim Menschen hingegen tritt im Altersverlauf, überwiegend bei Männern und weniger bei Frauen, eine fast vollständige Verknöcherung des Schildknorpels auf", fasst Claassen zusammen. Da die Stimmlippen ihren Ursprung am Schildknorpel nehmen, könne die altersabhängige Verknöcherung vor allem die männliche Stimme in Mitleidenschaft ziehen, erläutert er. "Dies könnte eine Erklärung dafür sein, dass man Frauen das Alter oft nicht so sehr anhört wie Männern", sagt er. Darüber hinaus können beispielsweise Kammersänger ab dem 40. bis 50. Lebensjahr von einer Verminderung der Stimmqualität und des Klangvolumens betroffen sein.
"Beim Menschen handelt es sich dabei um einen völlig normalen Vorgang am Kehlkopf im Zuge des Alterns, der nicht als pathologisch zu betrachten ist", beruhigt der Mediziner, der auch einen Doktortitel für wissenschaftliche Anthropologie hat. "Anders sieht das natürlich bei Osteoarthrose oder Organ- und Gefäßverkalkungen aus." red