Eine fulminante Premiere auf der Waldbühne Heldritt feierte am Samstagabend „Der wahre Jakob“, ein von Regisseur Michal Sykora vergnüglich in Szene gesetzter Schwank. Sittlichkeit und Moral sind zweischneidige Schwerter, Moral und Untugend zwei Seiten einer Medaille. Und wenn sich zu Hause ehrenwerte Männer in der Ferne auf Abwegen tummeln, kann das schon zu Turbulenzen führen. Das Publikum war begeistert und belohnte die Akteure des Heimatvereins mit jeder Menge Applaus.

Dabei sei die vergangene Woche für die Akteure echt „hardcore“ gewesen, wie es Vereinschef Mario Förster formuliert. Tagsüber Job, Proben bis in die Nacht, eine Generalprobe, die buchstäblich am Freitag ins Wasser fiel, und als wäre das nicht genug an Stress, musste Marina Mandykina ins Krankenhaus. Zum Glück sprang Angela Niedermeier, die Freundin des Regisseurs , beherzt in die Bresche, lernte quasi an einem Tag die Rolle der Lotte und spielte vorzüglich.

Alles dreht sich um die hübsche Yvette, zauberhaft von Dominique Dietel gespielt, eine Varieté-Tänzerin in Berlin. Ihr Hochglanzfoto, sie leicht bekleidet als Libelle, zieht den ehrenwerten Stadtrat Peter Struwe aus dem beschaulichen Rodach in seinen Bann. Der Vorsitzende des Vereins „Zur Aufrichtung gefallener Mädchen“ will gemeinsam mit seinem Busenfreund Böcklein den dort stattfindenden Sittlichkeitskongress nutzen, um nicht ganz so sittlich dem Laster zu frönen und dem Schein ein Schnippchen zu schlagen. Pustekuchen! Weder Stadtrat noch Kumpel kommen zum Zuge, auch wenn Böcklein zumindest Milieuluft zu schnuppern kriegt und folgenreich versumpft. Die ganze muntere Gesellschaft sieht sich wieder – und zwar in Rodach im ehrenwerten Haus des Herrn Geheimrats (Thomas Ziegelhöfer).

Eine überaus witzige Inszenierung mit großer Mimik und hervorragenden Schauspielern auf der Bühne, die das Spiel um Moral und Doppelmoral dem ganz normalen Leben in seinen vielen Facetten entlocken und eigentlich irgendwie allen den Spiegel vorhalten. Am Ende gab es einen Riesenapplaus und viel Jubel im Publikum. Und allen war klar: Das wird ein heißer Sommer auf der Waldbühne.